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Sizilien 2001



Bunny-Hoppen auf Sizilien.

Rad Urlaub mal anders: Mountainbike-Seminar mit dem Weltmeister Hans Rey
Bild am Sonntag, 20.01.02

Mamma mia! Vor der Kathedrale des sizilianischen Küstenstädtchen Cefalu, 70 Kilometer östlich von Palermo, bleiben die Passanten erstaunt stehen: Man hat ja schon viele Touristen vor dem mittelalterlichen Gemäuer gesehen , aber einen, der auf dem Hinterrad seines Mountainbikes die Stufen hinunterhüpft - nein, so einen noch nie! 'Diese extremen Übungen , wie sie Hans vorführt, will ich gar nicht lernen', sagt Biggi Neugebauer (34) aus Hameln, während sie Mountainbike-Weltmeister Hans Rey (35) bei seinen Sprungkünsten zusieht. 'Ich mache das Biker-Seminar, weil ich mein Rad richtig beherrschen will.' Und wer könnte ihr das besser beibringen als Hans Rey? Der gebürtige Schwarzwälder mit deutschen Pass und Wohnsitz in Kalifornien gehört zur Weltklasse der Mountainbiker. Er arbeitete als Stuntman in Willy Bogners Filmen (z.b. 'Fire, Ice and Dynamite') und trat bei 'Wetten dass...?' auf. In Kursen des Münchner Radreise-Veranstalters Alps Mountainbike Tours verrät er Anfängern und Fortgeschrittenen Tricks und Tipps, zum Beispiel auf Sizilien - für Biker wegen seiner grandiosen Hügellandschaft ideal.

Schon bevor sie in die Pedale treten, geraten die 16 Seminarteilnehmer kräftig ins Schwitzen. 'Kurz vor 11 Uhr und bei 28 Grad: Wir haben Schirokko, das ist ein heißer Südwind aus der Sahara, der viel Staub mitbringt', erklärt Dario Favognano, der sizilianischen Reiseführer: 'Nehmt viel Wasser mit', rät er , während die Biker vor dem Hotel 'Kalura' an ihren Rädern herumschrauben. Das Hotel (65 Zimmer) ist idealer Stützpunkt für Sporturlauber, hier trainieren auch Langstreckenschwimmer und Triathleten.

Wie viel Luftdruck sollen die Reifen haben? Dreht man das Pedal rechtsrum oder linksrum fest? 'Dreieinhalb Bar, rechtsrum!' Hans Rey beantwortet geduldig alle Fragen. Noch einen Apfel aus dem großen Korb - und los geht`s!

Locker radelt die Gruppe die Küstenstraße hinauf. Bougainvilleen, Eukalyptusbäume, Riesenfarne - die Vegatation hoch über dem blau schimmerden Meer lässt beinahe die Anstrengung des Radfahrerns vergessen. Stopp auf einem Parkplatz. Fahrtraining. 'Langsam eine Acht fahren und die Kurven immer enger machen', sagt Hans. 'das ist eine Superübung fürs Gelände, so trainiert man sein Blancegefühl und hat später auf den engen Wegen weniger Probleme.'

Kurze Zeit später wissen alle, was er meint. Ein erstes Geländestück ist zu bewältigen: ein schmaler Schotterpfad mit dornigen Büschen rechts und einem steilen Abhang links.'Sattel tiefer stellen und dann hoch mit dem Po, locker in den Knien federn', ordnet Hans an.' Ja prima! Gewicht nach hinten!'

Von nun an geht es aufwärts, durch Olivenhaine und Weinberge. Drei Stunden, 30 Kilometer und fast 1000 Höhenmeter später knurrt allen der Magen. Die Mittagspause im Landgasthof 'Luogomarchese' haben sich die Radler redlich verdient. Wirt Pino Lamonica bringt Bruschetta (geröstetes Brot mit Tomaten), eingelegtes Gemüse und große Schüsseln Pasta , dazu Rotwein und Wasser.

Zurück gehts glücklicherweise nur bergab.

Am nächsten Tag steht Fahrtechnik-Training auf dem Programm. 'Um sein Rad optimal zu beherrschen, muss man erst einmal aufhören zu fahren.'Wie bitte?' Am wichtigsten ist die Balance auf dem Rad, das ruhig Stehen auf den Pedalen. Dabei muss immer der Schokoladenfuß vorn sein. Das ist der Fuß, mit dem man mehr Gefühl hat', erklärt Hans, während er auf seinem Rad steht, ohne einen Milimeter zu fahren. 'Den Lenker leicht einschlagen und die Pedale verkeilen. Versucht´s mal!'

Die Teilnehmer übern brav, lernen Bremsmanöver und Bunny-Hops - Hasensprünge über ein Hindernis. Gar nicht so leicht, die Füße so zu verkeilen, dass man auf dem Zweirad springen kann. Puh!

Zur 'Belohnung' wartet an anderen Tagen Sightseeing am Ätna - oder ein Ausflug nach Cefalu: Das Fischerstädtchen mit seiner wunderschönen Altstadt und feinen Sandstränden gegenüber des 270 Meter hohen Felsens Rocca di Cefalu gilt neben Taormina als beliebtester Ferienort Siziliens. Seine Blütezeit erlebte er unter Normannenkönig Roger II., der im Jahr 1131 auch den großen Dom stiftete, der noch heute das Stadtbild beherrscht.

Davor, auf der großen Piazza, genießen die Alps-Tours-Radler die Mittagspause mit Cappuccino - bis Hans seine Showeinlage vor dem Kirchenhaus beendet hat.