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Die Horst-Wessel-Tour

Das Wessel-Denkmal ist ein längst vergessenes Kulturgut unserer Region. Ein Wunder ist das sicherlich nicht, denn es steht ja im engen Zusammenhang mit dem "dritten Reich". Geschichte an die in Deutschland niemand gern erinnert wird. Dennoch ist es ein Stück Heimatgeschichte, die nicht ganz in Vergessenheit geraten sollte, und so habe ich dies in Verbindung mit einer Bike-Tour gebracht.

Horst-Wessel, ein Anführer der damaligen SA wurde am 09.12.1907 in Bielefeld geboren. Nach seinem Tode wurde er von der NS-Bewegung als Märtyrer gefeiert, und das von ihm verfaßte "Horst-Wessel-Lied" (Die Fahne hoch) wurde von 1933-45 ein Teil der deutschen Nationalhymne. Das ihm zu Ehren errichtete Denkmal auf dem Süntel, sollte damals vom Bückeberg, dem Festplatz des damaligen Erntedankfestes, zu erblicken sein. Für den Kreis Hameln-Pyrmont war es offenbar eine besondere Ehre, sich als Heimat eines solchen Mannes zu präsentieren. Denn der in Dehrenberg, bei Aerzen, errichtete Wesselhof bildete das Elternhaus von Horst Wessel.

Schließlich wurde auf dem Süntel im Jahre 1938 das Horst-Wessel-Denkmal errichtet. Das Denkmal bestand aus einer 18 Meter hohen Sandsteinsäule, auf der ein 5 Meter hohes Stahlhakenkreuz verankert war. Später merkte man jedoch, daß das Denkmal vom Erntedankplatz nicht ausreichend zu erblicken war. Infolge dessen plante man ein weiteres Ehrenmal, das die Größe des Hermannsdenkmals besaß. Als Ausweichplatz wurde die Fläche hinter dem bereits errichteten Denkmal auserwählt. Zu diesem Vorhaben kam es jedoch nicht mehr. Das Wessel-Denkmal wurde am 20.04.1945 von westlichen Besatzungsmächten gesprengt. Noch heute liegt die Säule des Denkmals auf dem Waldboden des Süntels.
Treffpunkt unserer Bike-Tour ist der Reimerdeskamp, in der Nordstadt Hamelns. Hier starten wir in Richtung Holtenser Landstraße und zweigen dann links in den Hamelner Stadtwald, entlang der Gastwirtschaft Schliekers Brunnen. Die Gastwirtschaft rechts liegen gelassen führt die Route zunächst leicht, dann steiler ansteigend nach links den Berg hinauf. Am obersten Punkt angekommen biegen wir rechts ab und erreichen auch schon den Waldrand, mit Blick auf den Schweineberg. Weiter geht es links am Waldrand entlang, bis der Weg in eine Teerstraße übergeht, und schließlich folgt eine kurze Abfahrt bis zur Holtenser Warte. Hier überqueren wir die Landstraße und folgen auf der anderen Straßenseite dem Radfahrweg durch Holtensen bis nach Unsen hinunter. In Unsen treffen wir auf eine Kreuzung, an der wir links Richtung Welliehausen abbiegen.

Nach ca. 100 m fahren wir rechts in eine Seitenstraße ein, die uns direkt zum Wald hinauf leitet und schließlich in den Wanderweg mit dem münderschen "M" über der Brunnenschale übergeht. Dies ist auch der Weg, der direkt auf die Jahnhütte zuführt. Der Anstieg erfordert schon etwas Kondition und so ist auch dieser nicht ohne Schweißtopfen zu meistern. Dennoch hat diese Auffahrt einiges zu bieten, da wir ständig an alten und teilweise verwachsenen Abraumhalden entlangfahren, die durch den Gesteinsabbau verursacht wurden.

Bereits seit dem 17. Jahrhundert wurde im Süntel Sandstein sowie Steinkohle für die Glasmacherei abgebaut. Steigt man vom Rad und betrachtet sich diese Halden etwas näher, so lassen sich noch etliche Steinkohlebröckchen auf dem Waldboden finden.

Nach Beendigung des Aufstiegs teilt sich der Weg mehrfach, doch um das Jahnhütten-Plateau zu erreichen biegen wir in den links durch den Steinabbau geprägten Weg ein. Nach nur ein paar Metern zeigt ein Wegweiser die Strecke zum Süntelturm an. Diesem folgen wir aber erst später und lassen das Schild zunächst rechts liegen. Der stetig holpriger werdende Pfad mündet in die Wiese des Geländes der ehemaligen Jugendherberge. Grund für dessen Abriß soll eine unzureichende Herbergsausstattung gewesen sein. Lediglich eine Schutzhütte ist hier noch vorzufinden, sie ist aus den Abrißsteinen der Jahnhütte erbaut worden.

Orientiert man sich weiter nach links und überquert die Wiese, so stößt man auf eine alte Aussichtsplattform. Auf ihren Randsteinen sind in alter deutscher Schrift die Richtungen der in der Ferne liegenden Orte eingehauen. Schade nur, daß die Aussicht durch die zugenommene Vegetation nicht mehr wahrgenommen werden kann.

Das Plateau verlassen wir wieder über den gleichen Weg, bis zu dem Wegweiser der zum Süntelturm weist. Ab hier führt ein Single-Trail der Extraklasse über Stock und Stein, rechts entlang eines steil abfallenden Steinbruchs. Im weiteren Verlauf steigt der Weg etwas an, wird aber zunehmend breiter, bis rechtsseitig ein weiterer verwachsener Steinbruch auftaucht. Schwer erkennbar sticht auf der gegenüberliegenden Seite ein mit hohem Gras bewachsener Pfad ein. Diesem Pfad folgen wir, bis durch die Unwegsamkeit des Geländes vom Bike gesteigen werden muß und kämpfen uns danach wenige Meter durch das Gestrüpp. Kurz darauf ist das Hauptziel der Tour - das ehemalige Horst-Wessel-Denkmal - erreicht. An diesem Punkt stand es nun, das 1935 errichtete und von alliierten Einheiten am 20.04.1945 gesprengte Denkmal. Sicherlich benötigt man einige Zeit, um dieses Bauwerk in Gedanken wieder zu rekonstruieren, so daß wir auf den noch aufgeschichteten Steinen des Vorplatzes eine kleine Rast zum Essen und Trinken einlegen.

Nachdem wir lange und ausgiebig über das genaue Aussehen diskutiert haben, begeben wir uns über den gleichen Pfad der herführte auch wieder zurück. Am Wanderweg 4 angekommen, führt der Waldweg bis zum Süntelturm hinauf. Schade ist nur, daß die Turmgaststätte in der Woche nicht geöffnet ist. So planen wir die Rückfahrt über die Bergschmiede, oberhalb von Bad Münder.
Dem Wanderweg "6" folgen wir den Hinweisschildern, zunächst nach links und etwas später nach rechts. Danach folgt eine lange Abfahrt die auf eine Teerstraße mündet, die in Verbindung mit der Eulenflucht steht. Hier biegen wir jedoch kurz vor der Leitplanke rechts auf einen Trail. Bei nassem Wetter ist hier jedoch besondere Vorsicht angesagt, da es über etliche Baumwurzeln führt (so manchen Abflug soll es hier schon gegeben haben!?). Vorsicht ist insofern nochmals geboten, da die Kreuzung der Straße erneut bevorsteht.

Das letzte Stück zieht sich der Trail wieder durch den Wald hinab, bis wir abermals auf die Straße gelangen. Auf der Straße verbleiben wir jedoch diesmal und befreien unsere Reifen von dem Dreck, der in den Stollen hängengeblieben ist, durch eine schnelle Abfahrt. Wenige Minuten später ist auch schon die Bergschmiede erreicht, an der endlich eingekehrt werden kann.

Gut gestärkt wird wieder aufgesessen, um die letzte Etappe der Runde zu beenden. Über den Parkplatz der Bergschmiede führt der Wanderweg "1", unter stetigem auf und ab, bis zum Ort Klein Süntel. Nach verlassen des Waldes fahren wir durch den Ort auf der Hauptstraße bis nach Flegessen.

Eine scharfe Linkskurve folgt, und ein wenig später müssen wir rechts in eine Seitenstraße abbiegen, worauf wir in einem Bogen fast direkt auf die flegesser Kirche zufahren. Links führt eine Straße aus dem Ort heraus, der gefolgt wird. Ihr gerader Verlauf ist jedoch durch viele ausgeprägte Hügel gekennzeichnet, so daß die Fahrt nicht umbedingt eintönig erscheint. Am Ende dieser Hügelstraße läßt es sich nicht vermeiden, doch noch ein Stück Landstraße in Kauf zu nehmen. Hier treten wir sogleich auch fest in die Pedalen, denn manch einen Autofahrer treibt es anscheinend zur Raserei.

Also versuchen wir schnell in den Ort Unsen zu gelangen, um wieder auf dem sicheren Fahrradweg Richtung Holtensen weiterzufahren. Auch nach Holtensen wird der Fahrradweg weiterbenutzt, es wird lediglich die Straßenseite gewechselt. Am Schießstand entlang ebnet sich der Fahrradweg bis zum Waldschlößchen.

Hier queren wir wieder die Straße und stürzen uns in eine Abfahrt, auf dem Waldweg der uns bereits hier hinaufführte, hinab bis zum Gasthaus Schliekers Brunnen. Die restlichen Meter werden auf der holtenser Landstaße bis zur Kreuzung mit dem Reimerdeskamp ausgerollt, dem Treffpunkt dieser Tour.

Den Heimweg muß ich, infolge eines von mir nicht zu reparierenden Defekts, über den Bikeshop Bunny Hop Hameln einplanen. Nach erfolgreicher Instandsetzung der Federgabel verläuft der Rückweg über den Klütberg und Riepen. Vorerst ist aber die neue Weserbrücke zu überqueren und danach geht es durch das Klütviertel zum Wald. Über den Felsenkellerweg biege ich links in einen Waldweg, über dem ein Schlagbaum liegt. Diesen umfahren steigt man zum Finkenborn hinauf.

Hier sind nochmal alle Kraftreserven zu mobilisieren, bevor das Restaurant linksseitig umfahren wird und es dann die Riepenstraße heruntergeht. An der Kreuzung, rechts den Berg hinauf bis zum Landschulheim Riepenburg. Die Riepenburg wird links liegen gelassen, über einen kleinen Pfad komplett umfahren, bevor ein Downhill entlang der Maikuhle die Route beendet.

Jens Machinia
Standort Kilometer [km] Zeit [h]
Reimerdeskamp 8,86 0:23
Holtenser Warte 12,21 0:39
Jahn-Hütte 17,17 1:05
Wessel-Denkmal 17,99 1:19
Süntel-Turm 18,97 1:29
Bergschmiede 23,68 1:37
Holtenser Warte 34,11 2:08
Bikeshop BunnyHop 38,7 2:17
Finkenborn 43,42 2:42
Riepenburg 46,91 2:50
Ziel 49,24 2:57