Höfinger Geschichten
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Der erste Höfinger, der Lehrer wurde

In der Geschichte des Dorfes Höfingen war Friedrich Schulte der erste, der seinen Heimatort verließ, um einem geistigen Beruf nachzugehen. Bis Ostern 1919 besuchte er die Volksschule in Haddessen. Haddessen und Höfingen bildeten damals einen Schulverband.

Friedrich Schulte hatte von der Hofstelle Nr. 21 aus den weitesten Weg zur Schule. Er wollte Lehrer werden. Zu der Zeit war es für die Schüler der Dorfschulen sehr schwer, über die Volksschulbildung hinauszukommen. Das hatte seinen Grund in den allgemeinen dörflichen Verhältnissen. Vor allem fehlte es an Verkehrsverbindungen, um begabten Schülern den Besuch weiterführender Schulen in Hameln oder Rinteln zu ermöglichen.

Friedrich Schulte musste im März 1915 für zwei Tage in die Kreisstadt Rinteln und sich der Aufnahmeprüfung für die Präparande, der dreijährigen Vorbereitungsanstalt für den Besuch des Lehrerseminars, unterziehen. Von 18 Bewerbern bestanden 12 die Prüfung.

Für Friedrich Schulte war das der Anfang seines beruflichen Bildungsweges. Es waren strenge und schwere Jahre. Die Schüler wohnten in Privatpensionen, die unter der Aufsicht des Lehrers standen und auch von ihnen inspiziert wurden (Externat). Es musste auf den Stuben ein Inspektionsbuch geführt werden und die Schüler hatten ein Ausgabenbuch vorzulegen. Für den Tagesablauf waren die Unterrichtsstunden, die Arbeitszeiten und Freizeiten bis 10 Uhr abends genau festgelegt.

1918 bestand Friedrich Schulte die Prüfung auf dem Lehrerseminar. Neben dem Studium begann bald die Ausbildung, ein Unterrichten in der Seminarübungsschule. Im Februar-März 1921 legte Friedrich Schulte die erste Lehrerprüfung ab. Bereits zum 1. Juni 1921 erhielt er unter dem damaligen Landesschulrat Schwertfeger in Bückburg Beschäftigung im schaumburg-lippischen Schuldienst und verwaltete zunächst Lehrerstellen in Sülbeck, Steinhude und Stadthagen. Er absolvierte noch zwei Kurse an der Universität Jena. Im Dezember 1923 bestand er das zweite Lehrerexamen und erhielt eine endgültige Anstellung an der Bürgerknabenschule in Stadthagen. Das Vertrauen der Lehrerschaft berief ihn an die Spitze des Landeslehrervereins. Er wurde Rektor an der Lambertischule in Münster/Westf. und wenig später in die Schulabteilung beim Regierungpräsidenten in Münster berufen.

1946 kehrte er als Schwerkriegsbeschädigter (100 %) aus britischer Kriegsgefangenschaft heim. Trotz seiner schweren Behinderung unterrichtete er bis zur Vollendung des 75. Lebensjahres an der Kreisberufsschule und vorher an der zweijährigen Handelsschule, an der Berufsaufbauschule und der Schwesternvorschule am Kreiskrankenhaus. Sein Beruf war ihm innere Berufung.
Schaumburger Zeitung


Hochwasser

Am 1.Juli 1891 ging ein schweres Gewitter vor dem Süntel nieder, das wolkenbruchartigen Regen mit starken Hagelschlag brachte. Alte Leute erzählten uns in unserer Kindheit, daß 'dä Haogelschleoten' (die Hagelschloßen) größer als Taubeneier gewesen wären und die gesamte Ernte fast völlig vernichtet hätten, so daß die Bauern nach der Katastrophe Buchenlaub aus dem Sündel als Viehfutter heranschaffen mußten. Merkwürdiger Weise hatte nämlich der Süntel keine Hagelschäden davongetragen. In Pötzen gedenkt man noch heute in einer Feier dieses Hagelunwetters. In etwa zehn Minuten waren die Ufer des Pötzer Baches überflutet, und das Wasser drang in die Häuser. Im Ortsteil Texas stieg das Wasser im Hause Nr. 28 im Stall und im Keller einen Meter hoch. Das Vieh, eine Kuh, zwei Schweine und zwei Ziegen mußten beim weiteren Steigen des Wassers die Treppe hinauf in die Wohnung geführt werden, um es vor dem Ertrinken zu retten. Als das Wasser nach zwei Stunden gefallen war, machte es mehr Schwierigkeiten, die Tiere die Treppe wieder hinunterzuführen, als vorher vom Stall in die Wohnung zu bringen. In den Nachbarhäusern Nr. 29 und Nr. 30 herrschten ähnliche Zustände.

Das nächste Hochwasser wurde wieder durch Gewitter vor dem Süntel ausgelöst, und zwar am 2. Juli 1903. Das Hochwasser wurde zwar gemeldet, aber da war es auch schon da, überschwemmte die Bachniederung und wälzte sich über die Straße in Wohnräume, Keller und Ställe und weiter auf Fischbeck zu.

Nach dieser Katastrophe zog die Gemeinde Fischbeck die Konsequenz und beschloß den Bau der Talsperre, die im Jahre 1906 fertiggestellt war. Der Damm hatte eine Länge von 170 Metern, und die Höhe betrug ca. 6 Meter. Das so entstandene Rückhaltebecken konnte eine Wassermenge von 164.000 Kubikmetern fassen. Der Nährenbach floß durch einen Tunnel im Damm, und ein Überlauf am südöstlichen Ende des Dammes sollte zur Entlastung des Staubeckens bei Hochwasser beitragen.

Im Februar 1909 bestand der Damm bei einer mit starken Regenfällen verbundenen, plötzlichen Schneeschmelze seine erste Probe. Auch im Januar 1925, im Januar 1926, am 9. Juli 1926 und im Januar 1932 war das Staubecken bis an die Dammkrone gefüllt und hielt stand. So schienen für Fischbeck in der Zukunft Hochwasserkatastrophen gebannt zu sein.

Am 9. Juli 1926 zog gegen 17 Uhr über Höfingen hinweg ein schweres Gewitter zum Süntel. Die Erntearbeiten mußten eingestellt werden, und jeder versuchte noch schnell, das schützende Haus zu erreichen. Das Gewitter hielt vor dem Süntel, und plötzlich entlud sich ein furchtbarer Wolkenbruch. Es war, als fiele der Regen in 'Mollen' vom Himmel. Das Dorf Haddessen versank im Dunkel der Wolkenmassen, von dort wälzten sich die Regenmengen über Haegersmühle ins Dorf Höfingen. Lehrer Adolf Andermann berichtet darüber in der Schulchronik. Die Flutwellen durchbrachen Zäune und Türen und strömten durch die Häuser. Am stärksten betroffen wurden die Hausstellen Nr. 15, Nr. 20 und besonders der Hof Nr. 2, wo der Nährenbach einen großen Bogeb macht. Die Wogen stürzten direkt geradeaus gegen die lange Hausmauer, die aufgrund der Erfahrungen aus früheren Katastrophen gebaut worden war. Bald wurde die Mauer an einer Stelle eingedrückt, und schon ergossen sich die Wassermassen über das ganze Hofgrundstück, strömten durch das alte Bauernhaus, in die Stallungen, in die Wohnräume und durch die Scheune. Das Wasser stand auf der großen Diele und in den Zimmern einen Meter hoch. Das Abendessen, das schon auf dem Küchenherd vorbereitet war, wurde vom Herd geschwemmt. In den Zimmern waren die Schränke umgekippt, und der Inhalt schwamm mit Schuhen, Kleidungsstücken, Stühlen und Betten auf den Wogen. Zum Glück war der Ausgang von der Küche nach draußen verschlossen, sonst wäre alles davongeschwommen. Verheerend sah es auch in den Ställen aus. Pferde und Kühe standen bis zum Bauch im Wasser. Nach etwa zwei Stunden hatten sich die Wassermassen verlaufen, aber ein Bild des Grauens war zurückgeblieben.

Auch der Ortsteil Texas war bei dieser Katastrophe wieder stark betroffen. Bei dem Gewitter setzte starker Regen ein, aber erst als der Regen nachließ, drängten die Wassermassen durch die Talmulde über die Straße und richteten ähnliche Schäden an wie bei den Überschwemmungen früherer Jahre. Im Keller und Stall des Hauses Nr. 28 hatte die Wasserhöhe wieder 1,20 m betragen.

Die größte Flutkatastrophe erlebten die Sünteldörfer - und vor allem Fischbeck - am 19. Juli 1966. In breiter Front hielten mehrere Gewitter von Bensen bis Pötzen vor dem Süntel. Gegen 17 Uhr setzte plötzlich strömender Regen ein, als hätte der Himmel alle Schleusen geöffnet. In der kurzen Zeit von 2 Stunden fiel eine Niederschlagsmenge von 80 mm, das sind 4/5 hl = 80 Liter auf einen Quadratmeter. Die Wassermassen schossen von den Hängen des Süntels zu Tal, füllten die Bäche und Mulden und strömten durch Gärten und Häuser, alles mitreißend, in gewaltigen Wogensprüngen auf Höfingen zu und füllten in kurzer Zeit das Rückhaltebecken der Talsperre oberhalb Fischbecks mit seinem Fassungsvermögen von 164.000 Kubikmetern. Wieder wurden die Häuser und Hofstellen, die dicht am Bach lagen, am schwersten betroffen. Die Wassermassen drückten die Schutzmauer des Hofes Nr. 2 in einer Länge von 20 Metern ein, und das Wasser überflutete in rasendem Lauf sämtliche Ställe, die Scheune und das neue, unterkellerte Wohnhaus. In den Kellern stand das Wasser 1,70 m hoch, in den Ställen 1 m. Das Vieh stand ruhig im Wasser, es war ja warm. Der Regen hatte längst aufgehört, aber man konnte nichts unternehmen, denn das Wasser staute von der Talsperre bis in unser Dorf. Höfingen lag da wie in einem See. Wir glaubten uns stark betroffen und Fischbeck geschützt. Um 21 Uhr fiel plötzlich das Wasser. Das wurde zur Katastrophe für Fischbeck; denn der Damm war gebrochen. Eine riesige Flutwelle stürtzte auf das Dorf zu und vernichtete alles, was ihr entgegegstand. Das Wasser erreichte den bis dahin höchsten Stand von 2,82 m über der Straße. 1903 waren 1,92 m erreicht. Über den Dammbruch und das Ausmaß der Zerstörungen und Verluste berichtet August Spilker eingehend und anschaulich in der Chronik der Gemeinde Fischbeck.


Die Blutbuche beim Texas-Stein

(von Konrad Diekmann)

Auf dem Grundstück von Wilhelm Gerberding, etwa sieben Meter vom Texas-Stein entfernt, befindet sich eine junge Blutbuche. Der Anlaß zu der Pflanzung ergab sich im Gespräch von sechs Personen im Gasthaus Spilker. In allen Punkten war man sich schnell einig. Der Kaufpreis des Baumes (etwa 600 DM) wurde von allen gespendet. Am 3. Mai 1997 fand im Beisein vieler Personen die Pflanzung statt. Dazu hatten die 'Baumfreunde' eingeladen. Man verweilte dort einige Stunden bei Getränken und Bratwürsten. Den Überschuß der Veranstaltung erhielt die DLRG-Ortsgruppe Haddessen.

Vielen Dank für das Material an Wilhelm Gerberding!


Die Zeitschrift CONSTANZE wurde in Höfingen gegründet!

Die Familie GRÖMMER aus Eisenach flüchtete wg. der Kriegswirren zu Frau Grömmers Onkel, Herrn Wilhelm Requardt , wohnhaft in Höfingen-Texas. Helmut Grömmer war Journalist und kam bei Kriegsende auch zu seiner Familie nach H.T. Er ging aber recht bald nach Hamburg um wieder journalistisch zu arbeiten. Im Sommer 1946 (?) kamen am Wochenende mit ihm zwei Kollegen nach Höfingen. Es waren die Herren John JAHR und ...Hyski (?). Die drei setzten sich in 'Requardts Wiese' zusammen und besprachen die Gründung einer Frauenzeitschrift, nämlich der Constanze. Die Constanze wurde im John Jahr Verlag (Gruner&Jahr) herausgegeben. Später kam noch die Brigitte hinzu. Helnut Grömmer war auch Buchautor, Pseudonym: Helgrö, und Spieleerfinder bei 'Ravensburger Spiele'.
Quelle: Heinz Werner und Werner Requardt.
Vielen Dank für den Text an Horst Boose!


Wohnungsnot in Höfingen

Im Jahre 1951, 6 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges herrschte noch immer Wohnungsnot. Jedem Hauseigentümer stand nur soviel Wohnraum zu, wie er unbedingt benötigte, die andere Wohnfläche war vom Wohnungsamt beschlagnahmt. In unserem jetzigen Wohnhaus wohnten zu dem Zeitpunkt 29 Personen. Im Obergeschoss des Wohnhauses befanden sich 6 Zimmer, hier wohnten in jeweils 2 Zimmern 3 Familien:
- das Ehepaar Naujoks mit 4 Kindern und einen Opa,
- das Ehepaar Schneidereith mit 3 Kindern und einer Tante und
- das Ehepaar Hülsewede mit 3 Kindern.
Von dem größeren Zimmer der Familie Schneidereith war durch eine Sperrholzwand noch ein Streifen abgetrennt, der als Zimmer für einen landwirtschaftlichen Arbeiter diente.

Im Erdgeschoss wohnten der Grossvater meines Mannes, meine Schwiegermutter und mein Mann. In einem Zimmer wohnte Frau Heinzel mit ihrer Schwester und Sohn. Außerdem befand sich im Erdgeschoss das Zimmer für ein Dienstmädchen und ein Abstellraum. Die Küche befand sich im Anbau des Hauses. Rechts und links der Küche wohnten Herr und Frau Kaufmann, sowie Herr und Frau Pilch.

Als mein Mann und ich im März 1952 heirateten hatten wir Glück, die Familie Hülsewede war nach Gelsenkirchen gezogen. Wir bekamen das große Zimmer, welches wir uns als Wohn-Schlafzimmer einrichteten. Das kleine Zimmer bekam die Familie Naujoks.

Mit der Zeit entspannte sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt. Die Familie Schneidereith wanderte aus nach Amerika. In diese Wohnung zog Frau Heinzel mit Sohn. Die Schwester hatte inzwischen eine eigene Wohnung. In das Zimmer von Frau Heinzel im Erdgeschoss zog Familie Pelz mit Tochter. Familie Naujoks zog nach Köln. In diese Wohnung zogen Erich und Ella Nepomnasche. Als Frau Heinzel mit Sohn in Hess. Oldendorf eine Wohnung bekam, zog Familie Pilch in die Wohnung im Obergeschoss. Als Familie Pilch nach einiger Zeit in die Gegend von Paderborn übersiedelte bekam diese Wohnung die Familie Langer mit drei Kindern. Im Laufe der Zeit wurde unser Haus dann leerer. 1964 hatte die Familie Langer ein eigenes Haus gebaut. Erich un Ella Nepomnasche zogen in eine größere Wohnung. Auch die Familie Pelz zog in eine größere Wohnung. 1975 bauten sie dann mit Schiegersohn Gerhard Ohlendorf ein eigenes Haus.
Gertrud Schaper Dezember 2005


Eine wahre Begebenheit aus dem Jahre 1945

Im Spätsommer 1945 waren zwei Männer in abgetakelter Wehrmachtsuniform in Höfingen und befragten Kinder und auch andere Personen nach Familien deren Männer vermißt bzw. noch in Gefangenschaft waren. Wenn sie etwas konkretes erfahren hatten gingen sie zu den Familien und versuchten ihren Trick!!!! So auch bei Großmutter Lotte. Sie sagten, sie seien im Gefangenenlager mit der Person (in diesem Falle deinem Großvater) zusammengewesen, es ginge ihm gut und er käme auch bald nach Hause. Sie sollten diese Nachricht überbringen und sie würden dafür auch gut belohnt (Wurst, Schinken o.ä.). Deine Großmutter war aber misstrauisch. Sie ging zu uns und zu Peters und holte sich Soldatenfotos von deren Männern. Diese legte sie denen vor und fragte wer denn nun Heinrich Sch. sei. Welchen Fehler sie nun gemacht haben weiß ich nicht, jedenfalls flog der Schwindel auf und die Beiden haben fluchtartig euer Haus verlassen. (E-Mail von Horst Boose an Jürgen Schaper, Dezember 2005)

Fortsetzung folgt ....