1957-1977
'Haus Niedersachsen'
in Hessisch Oldendorf
feiert 20jähriges Bestehen

Die Geburtsstunde der Neurologischen Spezialklinik 'Haus Niedersachsen' in Hessich Oldendorf hat - nachträglich betrachtet - unter einem günstigen Vorzeichen gestanden. Auf der Suche nach einer Erholungsstätte für schwer- und schwerstbetroffene Kopf- und Rückenmarksverletzte der beiden Kriege war es dem Leiter der Klinik, Fritz Bergmann, wie ein Wink der Vorsehung, daß die alte Oldendorfer Jugendherberge, erbaut 1919, die von 1945 bis 1957 als Außenstelle des Kreiskrankenhauses gedient hatte, vom Kreise Grafschaft Schaumburg endgültig aufgegeben wurde. Damit war der Weg frei für den Anbau und die Einrichtung eines Erholungsheimes.

Fritz Bergmann, ein aktiver Mitarbeiter im BHKA, dazu als Ratsherr der Stadt Hess. Oldendorf mit den örtlichen Verhältnissen bestens vertraut, faßte im Februar 1957 die sich mit dem Freiwerden der alten Jugendherberge ergebende Möglichkeit beim Schopfe, und bewog den Vorsitzenden der Bundesleitung des BKHA, Fritz Götsch, nicht nur das Gebäude der Jugendherberge, sondern eine gut erhaltene ehemalige Fliegerbaracke samt dem umgebenden Gelände, einschließlich des Oldendorfer Sportplatzes, zu kaufen.


Genau 80.000,- DM waren für das Gesamtobjekt zu zahlen. Der damalige Bürgermeister von Hessisch Oldendorf, Rechtsanwalt Martin Schröder, machte nicht nur den Kauf perfekt, er setzte sich auch dafür ein, daß der Kaufpreis in jährlich zu zahlenden zinsfreien Raten entrichtet werden konnte. Das war um so mehr nötig, als die Kasse des BKHA nahezu leer war. Und 80.000,- DM waren 1957 kein Pappenstiel. Der zum Heimleiter ernannte Fritz Bergmann ahnte im Jahre 1957 nicht, wieviel Arbeit, Sorgen und Mühen auf ihn als vorgesehenen Heimleiter in den nächsten Jahren zukommen sollten. [..]


Mit Schaufel, Spaten und Hacke mußte zunächst auf dem weiten Gelände zu Werke gegangen werden. Es galt Wege anzulegen, Bodenvertiefungen auszugleichen und Rodearbeiten auszuführen. Hinzu kamen mühselige Erdarbeiten für die Kanalisation.

Es galt aber auch, das Innere der Jugendherberge 'auf den Kopf' zu stellen. Damit soll ausgeführt werden, daß selbst die Fußböden herausgerissen werden mußten, die Tapeten von allen Wänden zu entfernen waren und bauliche Veränderungen in Kauf genommen werden mußten, um das Haus wieder funktionsfähig zu machen.

Alle diese Arbeiten, die oftmals bis in Nachtstunden währten und an denen selbst die Ehefrauen des kleinen Häufleins der ersten Mitarbeiter von Fritz Bergmann teilnahmen, mußten unter Zeitdruck ausgeführt werden. Denn so war es mit den Versorgungsbehörden, welche das Entstehen eines Kurheimes auf das Lebhafteste begrüßten, vereinbart worden, daß am 18. Mai 1957 die ersten 25 Erholungssuchenden aus dem Kreis der Kriegsversehrten in Hessisch Oldendorf aufgenommen werden sollten.

Am 18. Mai 1957 war es dann tatsächlich so weit, daß nicht nur die Unterkünfte der Jugendherberge, sondern auch diejenigen in der Segelfliegerbaracke bezugsfertig geworden waren. Heimleiter Fritz Bergmann hatte es sogar möglich gemacht, daß in kürzester Frist unter Leitung des Oldendorfer Architekten Werner Bunge und seines Bau-Ingenieurs Horst Keller ein dringend benötigter Anbau an die Jugendherberge pünktlich fertig geworden war. Und so konnte der Heimleiter am 18. Mai 1957 die ersten Gäste aus Hannover, Berlin, Bremen, München, Uelzen und anderen niedersächsischen Orten herzlich willkommen heißen.



Erstmals im Mai 1957 tauchten zwei neue Namen in Hessisch Oldendorf auf: "Haus Niedersachsen" und "Korea". Heimleiter Fritz Bergmann, der in jenen Tagen und in aufopferungsvoller Weise tätig war, gab der Rehabilitationsstätte für die Kriegsopfer mit Zustimmung des BHKA-Bundesvorstandes den Namen "Haus Niedersachsen". Er ahnte damals wohl kaum, daß er mit dieser Bezeichnung sein Lebenswerk umschrieben war. Dennoch fehlte es an allen Ecken und Enden. Selbst die ersten beiden Monatsgehälter mußten für die Bediensteten vom Heimleiter zunächst aus der eigenen Tasche vorgestreckt werden, weil die Bundeskasse des BHKA dieses Geld nicht sofort flüssig machen konnte.

Der andere, wohl erstmals im Bereich von Hessische Oldendorf auftauchende Name, war "Korea". Diesen Namen erhielt die alte Segelfliegerbaracke, die als Unterkunft für die erholungssuchenden Kriegsbeschädigten hoch im Kurs stand. Mit Anspielung auf den in jener Zeit aktuellen asiatischen Kriegsschauplatz versammelten sich die "alten Krieger" gern in der Baracke zum Gedankenaustausch über die "Lage" in Korea. Was Wunder, daß der Name "Korea" schließlich im Bereich von Hessisch Oldendorf zu einem festen Begriff wurde.

Bei der Darstellung des chronologischen Werdeganges des "Haus Niedersachsen" darf ein auf den ersten Blick vielleicht unbedeutend erscheinender Tatbestand nicht übersehen werden. Gemeint ist die Wasserversorgung des Hauses mit seinen 25 Gästen und weiteren 8 Mitarbeitern.

So mußte anfänglich das zum Kochen benutzte Wasser mit Hilfe von Eimern aus dem ca. 300 m entfernten Brunnen vom Gehöft Rinne herbeigeholt werden.

Es scheint heute fast unvorstellbar, wenn berichtet wird, daß sich die ersten Erholungssuchenden im Freien vor dem alten Stallgebäude gewaschen haben, wo zu diesem Zweck an die 10 Blechschüsseln zur gefälligen Bedienung aufgestellt wurden.

Heimleiter Fritz Bergmann sprach in jenen Zeiten in jeder Woche wohl ein Dutzend Mal bei der zuständigen Verwaltung wegen der benötigten Wasserleitungen vor. Es gelang in weniger als 3 Monaten, zumindest behelfsmäßige Wasserleitungen zum "Haus Niedersachsen" zu verlegen. Doch hatte diese erste Wasserleitung ihre besonderen Tücken: Wasser zum Waschen der Wäsche konnte nur bei Nachtzeit entnommen werden. Tagsüber war das Leitungswasser anfänglich so verschmutzt, daß es sich als unbrauchbar für alle Zwecke erwies.

Erst nach und nach ist es damals dem zähen Willen des Heimleiters und seiner unermüdlichen Aktivität gelungen, die Mehrzahl der Verdruss bereitenden Ungelegenheiten zu beseitigen. Mit schriftlichen Eingaben an die zuständigen Stellen war nur wenig zu erreichen. Daher war dem Leiter des Hauses kein Weg zuviel und kein Weg zu lang, wenn es galt, die dringend benötigten Verbesserungen in persönlichen Gesprächen voranzutreiben und zu beschleunigen. Wie überhaupt festgestellt werden muß, daß in den Anfangstagen des Bestehens der Klinik viel von der Eigeninitiative und dem Verhandlungsgeschick des Heimleiters abhängig war, ein Umstand, der sich indessen mehr oder weniger auffällig in den vergangenen 20 Jahren als sehr segensreich und unbedingt notwendig bei der Weiterentwicklung des Hauses Niedersachsen bemerkbar gemacht hat.

Es war ein einmaliger Glücksfall, daß es schon im Mai 1957 gelungen ist, mit dem Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Dr. med. Schuchardt, einen Arzt für die schwerbehinderten Kriegsopfer zu finden, der in den langen Jahren seither nicht nur seinen ärztlichen Obliegenheiten in vorbildlicher Weise nachgekommen ist, sondern darüber hinaus als verständnisvoller Freund und fachkundiger Berater sich bei den 23 000 Patienten von 1957 bis 1977 hohes Ansehen und Vertrauen erwerben konnte.

Seit dem Jahre 1961 ist Dr. Rösler, Hessisch Oldendorf auf dem ärztlichen Sektor bei der Rehabilitation vieler Kurnehmer zusätzlich tätig geworden. Desgleichen auch seit einigen Jahren Dr. Sellheim, Rumbeck.

Aus dem Kreis der Männer und Frauen, die seit dem ersten Tag im "Haus Niedersachsen" dabei sind und teilweise noch heute in der Klinik ihren Dienst verrichten, sind im Rahmen dieses Büchleins und stellvertretend für viele andere, die wenig später ihre Arbeit aufgenommen haben, anzuführen: Schwester Else, die von der Heilstätte des Kreises Grafschaft Schaumburg übernommen wurde, Frau Lunze, Frau Hornung, Frau Kaesler, Heinrich Holste und Chefkoch Hans Braun. Und selbstverständlich der genannte Arzt des Hauses, Dr. Schuchardt und der Leiter des Hauses, Fritz Bergmann.

Die letzteren haben es von der ersten Stunde an verstanden, ihre Mitarbeiter mit einem heute sehr selten gewordenen Idealismus und einem selbstverständlichen Arbeitseifer zu erfüllen, wie solche Eigenschaften bei der Betreuung und Versorgung schwerbetroffener Kriegs- und Arbeitsopfer besonders vonnöten sind.

Das bei all diesem Tun die Kameradschaft unter den Mitarbeitern und mit den Kurnehmern nicht zu kurz gekommen ist, hat insofern recht erfreuliche Auswirkungen bis zum heutigen Tage gezeigt, als zu allen Zeiten die Atmosphäre im "Haus Niedersachsen" bei Mitarbeitern und Patienten sich in jeder Weise beglückend und anspornend zugleich erwiesen hat. Das ist keinesfalls als Zufall aufzufassen, sondern als ein Verdienst des unermüdlich tätigen Heimleiters und des ebenso tätigen Leitenden Arztes zugleich.

Mit voller Absicht von Seiten des Leitenden Arztes und des Leiters des Hauses zugleich ist in den letzten 20 Jahren darauf hingearbeitet worden, auf keinen Fall eine Krankenhausatmosphäre bei der Rehabilitation aufkommen zu lassen. Mit aller Kraft wurde vielmehr versucht, allen Kurnehmern den Eindruck zu vermitteln, daß alle Mitarbeiter im "Haus Niedersachsen" zusammen mit allen auf dieses Haus angewiesenen Behinderten zu einer einzigen großen Gemeinschaft gehören. Dieser Familienatmosphäre ist das Haus mit seinen heute 170 Betten und rund 100 Mitarbeitern bis heute treu geblieben. Bester Beweis für die Richtigkeit dieser Auffassung dürfte es sein, wenn heute schon eine erkleckliche Anzahlt von Patienten acht, neun, ja zehn Mal und mehr zu Wiederholungskuren im "Haus Niedersachsen" eingetroffen sind, um sich zu erholen oder eine Linderung bestehender Leiden zu erreichen. Im "Haus Niedersachsen" wurde nie jemand als Nummer behandelt. Alle Mitarbeiter des Hauses sind sich in den vergangenen Jahren vielmehr ihrer besonderen Verantwortung bewußt geworden, wenn es um die Betreuung schwergeprüfter Menschen gegangen ist, die ein Recht auf optimale Behandlung und Fürsorge haben.

Von Anbeginn seines Bestehens hat das "Haus Niedersachsen" in Hessisch Oldendorf bei vielen Gelegenheiten im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gestanden. Presse, Rundfunk und Fernsehen haben zu wiederholten Malen von der Einrichtung des Hauses, von seinen Patienten und Mitarbeitern berichtet. Nicht zuletzt dann, wenn es wieder einmal in den vergangen 20 Jahren um Neu- oder Erweiterungsbauten oder um besondere Einrichtungsgegenstände des Hauses ging. Naturgemäß haben vornehmlich die Versorgungsbehörden und Berufsgenossenschaften, sodann die Landesversicherungsanstalten, die Angestelltenversicherung, Knappschaft, Seekasse und Krankenkassen aller Art dem Aufbau und der Entwicklung des Hauses hoch über den Dächern der alten Stadt Hessisch Oldendorf nicht nur ihr besonderes Interesse bekundet, sondern sich immer wieder lobend über die darin geleistete Arbeit an Kurnehmern und Patienten ausgesprochen.

Ein gleiches kann von der Niedersächsischen Landesregierung -vornehmlich vom Sozialministerium - festgehalten werden. Als erster Minister stattete der damalige Sozialminister und spätere Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, Dr. Diederichs, dem Haus einen Besuch ab. Sozialminister Kurz Partzsch hat bei vielen Gelegenheiten dem sich stetig vergrößernden Heim seine Besuch gewidmet. Desgleichen informierte sich Sozialminister Helmut Greulich mehrfach über die therapeutischen Möglichkeiten des Hauses. Zum 20jährigen Bestehen des inzwischen zur Neurologischen Spezialklinik sich mausernden Sanatoriums konnte Sozialminister Hermann Schipkoweit als Gast des Hauses am 23. Juni 1977 begrüßt werden.

In diesem Zusammenhang soll nicht unerwähnt bleiben, daß die Mitglieder des Bundesvorstandes und viele Kameraden von den Landes- und Kreisvorständen des BDH sich häufig und gern vom Fortschritt des Hauses in Hessisch Oldendorf informiert haben.

Wohl am überzeugendsten dokumentiert sich die Entwicklung des Hauses Niedersachsen in seiner heute 20jährigen Baugeschichte. Es fällt schwer, die einzelnen Bauphasen in allen Einzelheiten aufzuzeigen, die sich in mehr oder weniger langen Intervallen im Klinikbereich ergeben haben und schrittweise ihrer Vollendung entgegengeführt wurden. Doch soviel ist festzuhalten, daß die neuerstandenen Gebäude jeweils unter dem Gesichtspunkt einer Erhöhung der dringend benötigten Bettenzahl und ebenso notwendiger therapeutischer Einrichtungen verwirklicht wurden. Im einzelnen geschah seit 1957 auf dem Bausektor dieses: 1957 Anbau der Jugendherberge, die heute den Namen "Haus Baxmann" führt.
1958/59 wurde der Bau des Wirtschaftstraktes und einer eigenen medizinischen Abteilung Wirklichkeit. Dieser Teil der Klinik führt den Namen "Haus Sonnenthal".
1963/64 ist der seit langem notwendige Bettentrakt Wirklichkeit geworden. Dieses Bauwerk, auch Mittelbau genannt, trägt heute den Namen "Haus Hohenstein".
1966/67 gelang der Bau des Badehauses mit dem Bewegungsbad und weiteren balneologischen und physikalischen Behandlungsmöglichkeiten.
1968 wurde der Bau des Westtraktes in Angriff genommen. Dieses formschöne Haus enthält neben zahlreichen Räumen für die Patienten vor allem auch die notwendigen Einrichtungen für den fachärztlichen Bereich der Inneren Medizin in Gestalt von Spezial-Röntgengeräten, EEG, EKG, Labor, Solarium, Sauna usw. Dieses Haus ist wegen seiner zur alten Schaumburg hin ausgerichteten Nachbarschaft als "Haus Schaumburg" bei allen Patienten und Kurnehmern beliebt.
1971 mußte der Speisesaal wegen der stark angestiegenen Zahl von Gästen wesentlich erweitert werden. Zwischen dem "Haus Baxmann" und dem eben erwähnten Speisesaal konnte eine bauliche Verbindung dergestalt hergestellt werden, daß der so gewonnene Raum als Foyer und Aufenthaltsraum zu dienen vermag.
1973 richtete die Klinik auf dem vor ihrer Haustür gelegenen Gelände den heutigen Bergpark ein. Das 22000 qm große, ehemals landwirtschaftlich genutzte Gebiet wurde durch den Gartenbauarchitekten Bruno Wolff aus Hameln in eine sehenswerte Parklandschaft verwandelt, die außer Bäumen, Blumen und Sträuchern eine Gehschule für Gehbehinderte, ein kleines Tiergehege und eine Voliere samt einem Trimm-Dich-Pfad enthält. Das alles überragende Granitdenkmal des berühmten Oldendorfer Bürgermeisters Baxmann, geschaffen von dem Bildhauer Mainzer, Hameln, ist zugleich Ausdruck des Gedenkens an diesen Mann und der Bemühungen des "Hauses Niedersachsen" in kultureller Sicht. Dieser Park beinhaltet für einen großen Patientenkreis die Möglichkeit, sich täglich in freier Natur ergehen zu können. Vom ärztlichen Standpunkt stellt dieses Parkgelände eine wertvolle Bereicherung und Ergänzung der im "Haus Niedersachsen" vorhandenen therapeutischen Möglichkeiten dar. Das dieser Park einen Hubschrauberlandeplatz für Patienten enthält, die sofortige Hilfe benötigen, sei nur am Rande erwähnt. Desgleichen die freundliche Geste des Klinikleiters, den Bergpark allen Einwohnern der Stadt Hessisch Oldendorf zur Verfügung zu stellen. Die im benachbarten NATO-Gelände wohnenden Amerikaner haben desgleichen die Vorzüge dieses Parks erkannt und sind häufig Gast darin.
1976 schließlich wurde die Bettenzahl des Hauses, vorerst letztmalig, wiederum mit dem Bau des Osttraktes, dem "Haus Süntel", wesentlich erhöht. Bei dieser Baumaßnahme gelang es, im Erdgeschoß für die Sprach- und Arbeitstherapie geeignete Räume zu erstellen, wie auch hier der Sozialdienst des Hauses räumlich zum Zuge kommen konnte. Weil es mit diesem zuletzt aufgeführten Neubau möglich wurde, auch die Verwaltung des "Hauses Niedersachsen" darin unterzubringen, ergab sich für den klinischen Bereich des Hauses eine wesentliche Vergrößerung, da alle bisher von der Verwaltung benötigten Räume dem ärztlichen Bereich zugeschlagen werden konnten.

Soweit dieser kurzgefasste Einstieg in die Baugeschichte der Neurologischen Klinik in den letzten 20 Jahren, an deren Planung und Gestaltung der Oldendorfer Architekt Werner Bunge mit seinen Mitarbeitern maßgeblich Anteil hatte. Klinikleiter Fritz Bergmann ist einigermaßen stolz darauf, daß die für die Bautätigkeit benötigen Mittel rechtzeitig zur Verfügung standen, wobei es naturgemäß unumgänglich war, zu wiederholten Malen Bau-Darlehen von den Kreditinstituten aufzunehmen. Im übrigen hat die Klinik bis zum heutigen Tage keinerlei verlorene Zuschüsse von öffentlicher oder privater Seite zu verzeichnen.

Zur besseren Orientierung im Klinikgelände wurden 1976 alle Häuser mit einem Namen versehen. Auf Vorschlag des Hauses wurden alle Hausbezeichnungen aus der umgebenden Landschaft gewählt.

Als Zeichen eines gut-nachbarschaftlichen Verhältnissen mit den Schulen in Hessisch Oldendorf darf gewertet werden, daß es dem Leiter der Klinik und dem Leitenden Arzt derselben gelungen ist, jugendlichen Patienten im Schulalter in der am Ort befindlichen Realschule unterzubringen.

Das wurde ermöglicht durch die Bereitwilligkeit des Schulleiters, Rektor Otto und seines Lehrkörpers. Damit ist die Gewähr gegeben, - und das soll in diesem Büchlein ausdrücklich hervorgehoben werden - daß junge Menschen im "Haus Niedersachsen" nicht nur eine medizinische Rehabilitation erfahren können, sondern daß sie auch die Möglichkeit haben, im Schulunterricht eine sinnvolle und notwendige Bereicherung ihres Wissens und Könnens zu erfahren.

Seit dem Winter 1976/77 wurde die Musiktherapie in den Behandlungsrahmen des "Hauses Niedersachsen" einbezogen. Dabei wird das Hauptaugenmerk bei allen Schwerbehinderten auf die Gruppentherapie gelegt. Man ist dieser Gruppentherapie um so lieber gefolgt, da auch in anderen Zweigen der hier angewendeten Behandlungen im Gruppenbereich gute Erfolge zu verzeichnen sind. So verspricht auch die Musiktherapie im Gesamtbereich medizinischer Behandlungen ein wertvoller Beitrag zur Rehabilitation zu werden.

Wir konnten in dieser kleinen Schrift in Kurzform aufzeigen, welche tiefgreifenden baulichen Veränderungen sich in den letzten 20 Jahren im Klinikbereich ergeben haben. Desgleichen, wie sich die ehemalige Erholungsstätte zum Kurheim, zum Sanatorium, zur Neurologischen Spezialklinik gewandelt hat. Es wurde darauf hingewiesen, daß von den anfangs bereitstehenden 25 Betten inzwischen 170 geworden sind. Für das innere Gefüge der Klinik kündigt sich hinsichtlich des im Hause betreuten Personenkreises ein tiefgreifender Strukturwandel an. Das kann mit einer einfachen Formel in der Weise zum Ausdruck gebracht werden, daß die Zahl der kriegsbeschädigten Kurnehmer sich in etwa dem gleichen Maße verringert, wie die Zahl der Zivilbeschädigten zunimmt. Waren es vor 10 Jahren fast 90% Kriegsbeschädigte, welche als Gäste im "Haus Niedersachsen" aufgenommen wurden, so waren es im Jahre 1976 schon fast gleiche prozentuale Anteile in Bezug auf Zivil- und Kriegsbeschädigte geworden.

Diese Entwicklung, deren Erscheinungsformen sich immer deutlicher abzuzeichnen beginnen, rechtzeitig erkannt und entsprechend reagiert zu haben, ist das ausschließliche Verdienst des am Hause seit 20 Jahren vorstehenden Klinikleiters Fritz Bergmann und des Leitenden Arztes Dr. Günter Schuchardt.

Es darf im Rahmen dieser kleinen Schrift festgehalten werden, daß die vergangenen 20 Jahre bei der schrittweise erfolgten Entwicklung des "Hauses Niedersachsen" nicht nur eine Fülle von Sorgen, Arbeit, Überlegungen und Einsatz vielfältiger Art beschert haben, sondern vielen Mitarbeitern auch Freude und Befriedigung bei der Bewältigung ihres freigewählten, oftmals scheren und schwierigen Pflichtenkreises.

Aufgrund langjähriger Erfahrungen, die in dieser und anderen Kliniken des BDH gesammelt werden konnten, besteht die feste Zuversicht, daß die Organisation des BDH mit all ihren Häusern die Gewähr dafür bietet, daß die notwendigen Rehabilitationsmaßnahmen für den Kreis der Kopf- und Rückenmarksverletzten nach neuesten medizinischen Gesichtspunkten weiterentwickelt und sinnvoll vervollständigt werden.

Diese Feststellung trifft ganz besonders auch für den Bereich des "Hauses Niedersachsen" zu. Die hier geleistete Betreuung zum Wohle eines schwergeprüften Personenkreises kann dabei auf die Erfahrung und das Können der hier tätigen Ärzte, Schwestern, Therapeuten und Helfer in großer Zahl in den verschiedensten Abteilungen zurückgreifen. Leiter und Ärzte des "Hauses Niedersachsen" in Hessisch Oldendorf wissen seit 2 Jahrzehnten um diese hohe Verpflichtung. Darüber hinaus wäre es ein Zeichen wahrer Nächstenliebe, wohlverstandener Kameradschaft und echter Humanität, wenn das Haus auch in den kommenden Jahren zum bild sozialer Bemühungen in der Bundesrepublik ein Mosaiksteinchen beizusteuern vermöchte.

Der Wille und die Bereitschaft dazu sind in den vergangenen 20 Jahren im "Hause Niedersachsen" gewachsen und werden auch in Zukunft allzeit vorhanden und lebendig sein.
Alfred Wilkening


Stätte der Wiedergesundung und Erholung: "Der Bergpark"


Das "Haus Niedersachsen", welches seit 20 Jahren besteht und in welchem sich seitdem mehr als 23000 Patienten aus der gesamten Bundesrepublik aufgehalten haben, um Heilung und Erholung zu finden, bedurfte seit langem einer Stätte, die dazu angetan ist, um die ärztliche Versorgung und die angewandten Mittel der Spezialklinik auch in der freien Natur ergänzen zu können.

Unter den Patienten befinden sich nicht wenige, die nur mühsam in der Lage sind, ein paar Schritte ins Freie zu tun. Mit anderen Worten: Zur Abrundung des Kurerfolges machte sich das Fehlen einer genügend großen Freizeitanlage in den letzten Jahren immer deutlicher bemerkbar.

Angesichts dieser Situation bestand das Bemühen der Verantwortlichen darin, Abhilfe in der Weise zu schaffen, daß das direkt vor der Haustür gelegene ca. 22000 qm große Gelände zunächst von der Familie Schulz-Ackermann erworben werden mußte, um dann in einen Naturpark umgewandelt zu werden. Nach den hervorragenden Plänen des dem "Haus Niedersachsen" seit vielen Jahren verbundenen Gartenarchitekten, Herrn Bruno Wolff, Hameln, ist es gelungen, eine Grünanlage mit einem Freizeit- und Erholungszentrum in optimaler Weise zu schaffen, wie dies den Notwendigkeiten einer großen Anzahl von Patienten entspricht. Es darf hier aufgeführt werden: Die Gehschule für Gehbehinderte und Querschnittsgelähmte, die verschiedenen Trimm-Dich-Stationen, die zahlreichen Möglichkeiten zur Ausübung von Sport und die sonstigen sich ergebenden Freizeitbeschäftigungen. Darüber hinaus soll dieser Naturpark mit seinem Heidegarten, Rosarien, dem Wasserbecken und seinen Volieren die ideale Möglichkeit schaffen, zusammen mit medizinischen und balneologischen Maßnahmen zur Wiedergesundung all derer beizutragen, die nach hier gekommen sind, um neuen Lebensmut zu schöpfen.

Wenn der Bergpark in erster Linie als Rehabilitationsstätte den Patienten und Kurbedürftigen des Hauses dienen soll, so ist bei der Planung doch auch davon ausgegangen worden, daß dieser Naturpark, der in seiner Größe und Gestaltung wohl einzigartig in weiter Runde sein dürfte, auch den Einwohnern der Stadt Hessisch Oldendorf zur Verfügung gestellt werden soll.