Bergleute im Süntel
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Bergleute im Süntel

von Karl Bruns (1972)

Die Bergleute sind früher aus allen Bergwerken zum Süntel gekommen und im Gegensatz zu den Glasbläsern auch im Süntel geblieben. Sie hatten damals viele Vorrechte z.B. sie brauchten kein Soldat zu werden und auch die Hochzeit brauchte nicht von der Regierung genehmigt werden, wie es zu der Zeit bei anderen Ständen üblich war. Der Beruf und die damit verbundenen Gefahren, brachte es mit sich, dass die Bergleute in einer Gemeinschaft lebten. Um das Jahr 1800 wurde eine Knappschaftsversicherung eingeführt und 60 Jahre später das Bergmannsdienstbuch. Damit wurden die Berufs- und Arbeitsbedingungen und die Dienstverordnung gestrafft. Trunkenheit wurde auch damals bei den Bergleuten schon hart bestraft. Die Arbeitszeit wurde jeden Tag für 1-2 Stunden unterbrochen. In dieser Zeit gingen die Bergleute zur Messe, Ließ der Betrieb dies einmal nicht zu, so wurden die Messen auch im Schacht abgehalten. Der bekannteste Schacht, der für solche Zwecke zu gebrauchen war, hieß 'Betstubenschacht'.




Die Aufgabe der Bergleute

Stellvertretend für die Bergleute möchte ich etwas über die Aufgaben des Fahrhauers sagen. Der Fahrhauer hatte damals die Aufsicht über die Bergleute, die in einem Schacht zu tun hatten. Seine Hauptaufgabe war es, die Sicherheitsvorkehrungen unter Tage zu überprüfen und, wenn nötig, zu reparieren. Außerdem musste er Gesteinsproben abhauen und sammeln. Daher kommt auch der Name. Unter Tage hatte jeder 'Kumpel' seine spezielle Aufgabe, z.B. einer 'schlug' die Kohle, einer belud die Loren, ein anderer fuhr die Loren zur 'Strecke'. Der Fahrhauer musste jedem Bergmann seine Arbeit zuteilen. Außerdem hatte er noch die Aufsicht über die Bergwerkslehrlinge.

Ein Arbeitstag eines Fahrhauers

Zu Beginn einer Schicht fährt der Fahrhauer mit den Bergleuten in den Schacht ein. Er teilt jedem seine Arbeit zu. Dann überprüft er alle Sicherheitsvorkehrungen. Nachdem er sich über die 'Sicherheit' genau informiert hat, begibt er sich zum Schachtausgang. Dort trägt er die kranken oder beurlaubten Bergleute in das Lohnbuch ein. Ebenfalls in dieses Buch schreibt er die Anzahl der geförderten Loren der Bergleute. Nach der Anzahl der Loren richtet sich der Lohn. Zwischendurch muss er immer wieder in den Schacht hinein und die Qualität der Kohle prüfen. Am Ende einer Schicht gibt er das Zeichen zum Ausfahren.

Was und Wie wurde gefördert?

In den Bergwerken, in und am Kleinen und Großen Süntel, wurde vorwiegend Steinkohle gefördert. Die Steinkohle wurde an Schmieden und Glashütten aber auch an Kalkbrennereien verkauft, die sich auf die Verbrennung von Kohle umgestellt hatten. Eine besondere Art der Steinkohle war die Glas- oder Pechkohle. Sie hat ohne Schwefelkies den größten Grad des Brennstoffes in sich vereinigt. Eine weitere Art ist die Schmiedekohle, die vorwiegend in schmieden benutzt wurde.



Um sich überhaupt vorstellen zu können, mit welchen Mitteln damals gefördert wurde, möchte ich zuerst einmal über die Anlegung eines Schachtes etwas sagen, damit das noch klarer wird, erläutere ich es am Beispiel des Tonnenlegenschachtes. Um das Jahr 1917 begann man damit einen 280 m tiefen Schacht in einem Winkel von 28 in das Erdinnere zu treiben. Nachdem man festgestellt hatte, dass sich der Abbau der Kohle on dieser Tiefe noch nicht lohnte, trieb man eine Hauptstrecke nach Norden und nach Süden. Doch auch dadurch konnte ein rationeller Kohleabbau nicht erreicht werden. So beschloss man zwei Querschläge zu Flöz 2 zu schlagen. Die Querschläge hatten eine Länge von 60 m. Dann trieb man die Hauptstrecke auf Flöz 2 nach Norden und Süden. Die erste Schwebende im Norden wurde in Richtung des Wasserstollens getrieben, den man als Luftschacht benutzen wollte.

1919 räumte man den Wasserstollen auf. Auf dieser Schwebenden wurden rutschen aus Blech aufgebaut. Die gebrochene Kohle wurde von den Bergleuten mit einfachen Werkzeugen losgebrochen und auf die Rutsche geworfen. Durch die Rutsche gelangte die Kohle in die Loren. Die Loren wurden auf Schienen zum Schachtausgang gebracht und dort aufgeschüttet. Die zweite Schwebende im Norden war ein Bremsberg. In der Schwebenden waren Schienen angebracht, auf denen kleine Loren fuhren. Die Kohle, die in den Abräumstrecken gebrochen wurde, wurde in die Loren geladen. Das Gewicht der Loren war zu viel, um es von den Bergleuten festhalten zu können. So ließ man ein riesiges Gewicht über die Rolle laufen, dessen Stahlseil mit der Lore gekoppelt war. So rollte die Lore langsam den Hang hinunter. War sie leer, so zog das Gewicht sie wieder zu den Abräumstrecken. Diese Arbeiten wurden besonders erschwert durch das Grundwasser, das durch den Wasserstollen einbrach. Auch im Süden des Flöz 2 wurden Schwebende getrieben. Doch das stark durchsickernde Grundwasser machte den Kohleabbau unmöglich. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass man gegen Ende 1930 versuchte den eigentlichen Schacht von Flöz 2 aus fortzusetzen. Doch die Kohle liegt noch heute da. Das Grundwasser machte den Abbau unmöglich.






Der Eingang des Georgstollens




Der Eingang des Wasserstollens




Durch diese Eisenträger wurde der Wasserstollen abgetäuft. Man versuchte dadurch ein Einstürzen zu verhindern.


Der Rest des Förderhauses des Tonnenlegenschachtes


Im Kreis war früher das Eingangsloch des Bertha-Schachtes

Fotos und Bilder: Karl Bruns (1972)