Süntelturm I
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02.10.10. Der Süntelturm wird renoviert!


März 2010 (j.s.)

(C) HUS

Der Süntelturm

von Konrad Diekmann

Auf der HOHEN EGGE, der höchsten Erhebung im Süntelgebirge (441 m über NN), steht seit dem Jahre 1901 der steinerne Süntelturm. Weit ins Land blicken läßt sich von seiner Plattform in 25 m Höhe.

Der Süntelturm hat auch seinen Vorgänger, den Augusta-Turm. Er wurde vom Bürgerverein Hannover im Jahre 1881/82 in der Nähe auf schaumburgischen Gebiet errichtet, nachdem die Süntelwaldgenossenschaft in Bensen den Bau auf der höchsten Stelle des Süntels zugestimmt hatte. Die Ausführung war aus Holz. Auf seiner Aussichtsfläche, etwa in 18 m Höhe (74 Stufen) hatte man einen herrlichen Ausblick in alle Richtungen. Mit dem Bau war erst begonnen worden, als die veranschlagten Kosten von 600 Mark von Spendern, besonders aus Münder und Hameln, vorhanden waren. (DEWEZET 28.02.1882). Pfingsten 1882 wurde der Aussichtsturm eröffnet. Frühstück mußte sich jeder mitbringen und Bier war am Turm zu haben (DEWEZET 25.05.1882). August Sagebiel aus Welliehausen übernahm 1885 die Bewirtung der Erfrischungshütte. Als der Augusta-Turm Ende des 19. Jahrhunderts baufällig geworden war, übernahm ihn der Alte Hannoversche Wander- und Gebirgsverein mit dem Ziel, an dieser Stelle einen steinernen Aussichtsturm zu errichten. Weil aber mit der Süntelwaldgenossenschaft (Eigentümerin des Bauplatzes) wegen des Pachtpreises keine Einigung zustande kam, wurde der Turm etwa 25 m weiter vom Standort des alten entfernt auf münderschem Grund gebaut, die Grundsteinlegung erfolgte am 24. September 1899.


(C) Hans-Georg van Ballegooy

Bei der Einweihung am 17. Mai 1901 hielt der Vorsitzende des Alten Hannoverschen Gebirgsvereins vom Turm die Festrede, die mit einem Hoch auf den Kaiser schloß. Anschließend spielte ein Posaunenchor “Heil Dir im Siegerkranz”. Der Bürgermeister der Stadt Münder dankte dem Gebirgsverein für die Erschließung des Süntels. Mit 1500 und 3000 ist die Besucherzahl unterschiedlich angegeben.

Grundsteinlegung für den Bau des Süntelturms am 24. September 1899. Der zweite von rechts mit der Zigarre im Mund ist der Heidedichter Hermann Löns.


Der Turm ist auf Felsen gebaut. Das Mauerwerk besteht aus Sandsteinen, welche aus den nahegelegenen Brüchen stammen und dort bearbeitet wurden. Andere Materialien (Sand, Kies, Zement usw.) wurden mit Pferdewagen von Münder herangeschafft. 25 Meter ist der Turm hoch und der Innenraum hat einen Durchmesser von 2,40 m, in dem eine Wendeltreppe aus 95 Stein- und 12 Eisenstufen hinauf zur Plattform führt. Unten beträgt die Mauerstärke 1,45 m und oben 0,85 m.

Insgesamt besteht der Bau aus 370 Kubikmeter Mauerwerk. Die Baukosten betrugen 7000 Mark. Der Bau wurde in Handarbeit hochgezogen. Maschinen, Geräte und Gerüste, wie sie heute auf Baustellen benutzt werden, gab es damals nicht.

Aufnahme von 1900. Rechts steht noch der hölzerne Turm. Vorn: August Sagebiel holt Wasser.


Ein Aussichtsturm ohne einen Wirtschaftsbetrieb war dem Erbauer zu wenig. 1910 erfolgte die Errichtung eines Anbaus. Am 14.04.1912 erhielt der Süntelturm Telefonanschluß von Hameln unter der Rufnummer 4. Im Laufe der Zeit, bis 1939 wurden kleinere Umbauten vorgenommen und eine überdachte Sitzfläche geschaffen.

Der Wirt im neuen Süntelturm war, wie im altem, August Sagebiel aus Welliehausen. 1915 übernahm seine Tochter Minna die Bewirtung der Gäste, von 1920 bis 1955 zusammen mit ihrem Ehemann Friedrich Brinkmann. Mit einem Handwagen oder einem leichten Pferdewagen, im Winter mit einem Schlitten, wurden Trinkwasser und Getränke der Berg hinauf gebracht. Ein Schäferhund, welcher immer dabei war, wurde manchmal nach Hause geschickt, um fehlendes in einem Korb zu holen. Die Öffnungszeit war im Sommer täglich und im Winter nur Sonntags. Ab Ende der 50er Jahre bewältigten Ludwig Hupe, Schwiegersohn von Friedrich Brinkmann, und seine Frau Lisa, als sie die Turmwirtschaft übernommen hatten, den Waren- und Trinkwassertransport mit einem PKW.

Neubau der Glasveranda 1932 am Süntelturm. Die Seitenwände waren zum Zeitpunkt der Aufnahme noch nicht montiert.


Im zweiten Weltkrieg unterhielt das Militär auf dem Süntelturm eine Flugüberwachungsstation. In diesen Jahren war der Turm für Besucher gesperrt. Als am Ende der 70er Jahre das Mauerwerk des Aussichtsturmes ausgebessert werden mußte, aber der Eigentümer die Kosten von 25000 DM nicht aufbringen konnte, sind sie vom Landkreis Hameln-Pyrmont und den Städten Hameln, Bad Münder und Hessisch-Oldendorf übernommen worden.

Um 1985 sah es um das Fortbestehen der Süntelturmgaststätte schlecht aus. Es lag am Fehlen von sanitären Anlagen, Trinkwasser und Stromnetzanschluß. [...] 1987 bildeten der Landkreis Hameln-Pyrmont und die Städte Hameln, Bad Münder und Hessisch Oldendorf [...] eine Finanzierungsgemeinschaft. Das Vorhaben für die bauliche Verbesserung kam bald zur Ausführung. [...]

Am 21. Dezember 1988 feierte man die Einweihung der neu erstellten und an Wasser-, Kanal- und Stromnetz angeschlossenen Gast- und Wirtschaftsräume. Zu gleicher Zeit war der Pachtvertrag von Ludwig und Lisa Hupe ausgelaufen. Neue Pächter wurden Günter Brandes und seine Frau Marie Luise, wohnhaft in Flegessen. Der Wander- und Gebirgsverein trat seine Rechte am Süntelturm an die Stadt Bad Münder ab, die nun Eigentümerin des Aussichtsturms und der neu erstellten Turmgaststätte ist.


Am 1. April 2006 hat Frau Carola Hartmann die Pacht der Süntelturmgaststätte übernommen.
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März 2010




Ein großartiger Anblick bietet sich dem Beschauer von der Plattform des Turms. Unten im Tal das silberne Band der Weser, die in großem Bogen der Porta Westfalica zustrebt. Rechts an der Bergkette entlang die Umrisse der Schaumburg und der Paschenburg. Weiter vorne reckt sich das gewaltige Felsmassiv des Hohensteins empor. Das Fernglas holt das Steinhuder Meer, und, wenn man Glück hat, den Brocken heran. Der Bückeberg, die Lippischen Berge, Ith, Deister und Solling vervollständigen das Bild.