Süntelkunst
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Der Süntel aus der Sicht eines Künstlers


Nato-Station


Wassertretstelle


Grüner Altar


Süntelturm


Baxmannbaude


Brunshagen-Schutzhütte

Peppi III, mit bürgerlichem Namen Jörg Petzoldt (1950), freier Künstler

1. Zwischenstadium: Gebrauchsgrafik (10 Jahre Werbung für Fischfutter, Kurbetriebe; eigene Stadtzeitung "Live im Potte",...)
2. Zwischenstadium: Musik (Veranstaltungen und Schallplattenlabel 'blind man' mit Gottfried Böttger, Rainer Regel, High Life Skiffle, u.a.)
3. Zwischenstadium: das Veranstaltungslokal 'Kleines Theater' (mit Auftritten von D. Kittner, Jürgen von der Lippe, Hans Werner Olm, ...)

Zur EXPO2000/Hannover wieder Kunst, "Garten der Sinne", der Erlebnispark für sinnliche Erfahrungen.
Folgeveranstaltungen: Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte, Uni Leipzig, Aphasie-Zentrum Leipzig, Nordseeinsel Borkum, Niedersächsisches Landeskrankenhaus Königslutter, Medizinisches Zentrum Eichhof in Lauterbach/Hessen

peppi3@arcor.de

Rätselhafter Fund zwischen wertlosem Krempel

Hausmeister entdeckte beim Entrümpeln Kunstmappen mit Originalen des "Süntelmalers KAS"

Von Karin Rohr Hameln. Dieser Fund ist ebenso spektakulär wie rätselhaft: Zwischen Bergen von wertlosem Krempel und Müll, den er entsorgen sollte, stieß Wolfgang Stiller auf drei große, schwere Kunstmappen - prallvoll mit Originalen: Federzeichnungen, Aquarelle, Kohle- und Pastellkreide-Arbeiten.

Den Hohenstein machte "Süntelmaler" Karl Alexander Schmidt immer wieder zum Motiv akribischer Federzeichnungen, die auch den landschaftlichen Wandel dokumentieren Auch ein Skizzenbuch und mehrere alte Zeitungsseiten kamen zutage. Stiller zögerte: Eigentlich hatte der Hausmeister der Kreisvolkshochschule, die das ehemalige Gelände von Stahlbau Richard an der Ohsener Straße erworben hatte, den Auftrag, in dem Gebäude zu entrümpeln und den ganzen Plunder zur Müllverbrennung zu bringen. Doch die vielen Bilder, auf die er gestoßen war, wollte er nicht einfach vernichten. "Ich bin kein Kunstexperte", sagt Stiller, "aber ich dachte, die Bilder kannst du doch nicht wegwerfen, die sind ja vielleicht wertvoll." Sohn Dirk bestärkte ihn. Beide stöberten in den Mappen und entnahmen den Bild-Signaturen, dasses sich bei dem Maler um einen Mann namens Schmidt handelt.

Wie aber Licht in das Dunkel bringen? Wen fragen? Die Stillers schleppten die Mappen zur Dewezet. Hier wurde Bild für Bild gesichtet, wurden die alten Zeitungsausschnitte unter die Lupe genommen. Schnell stellte sich nicht nur anhand der vielen Landschaftsmotive heraus: Der Mann war ein Heimatmaler. Und kein ganz Unbekannter: Als "Süntelmaler" hatte sich Karl Alexander Schmidt, der seine Bilder gern mit Karl Alex Schmidt, gelegentlich auch nur mit dem Kürzel KAS unterzeichnete, einen Namen gemacht. Denn: Für Süntel und Hohenstein ging er auf die Barrikaden, setzte sich schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts engagiert für Landschafts- und Naturschutz ein.

Das geht aus einem vergilbten Zeitungsartikel vom 27. Januar 1932 hervor, der sich zwischen den Bildern befand und "Von der Seele der Süntellandschaft" handelt. Autor: K. A. Schmidt, Bensen. Im Vorwort weist die Redaktion auf die Romantik in dem "nachstehenden Artikel von einem vertrauten Kenner der Gegend" hin. Zitat aus Schmidts Text: "Das Raumerlebnis seiner Landschaft macht den nordischen Menschen zum Träumer und Grübler. So vermittelt das Raumerlebnis der Süntellandschaft etwas unbedingt Charakteristisches: den Ausdruck unendlicher, träumerischer Gefühlsweite. Es liegt über ihrer Szenerie die Welt der Unwirklichkeit, des reinen Raumes, des freien Schwebens, eben der Unendlichkeit." Schwärmerisch schildert Schmidt die Naturstimmungen der verschiedenen Tages- und Jahreszeiten in Süntel und Hohenstein, beschreibt "die große Heiterkeit der einmaligen Gestaltung", spricht von der Melancholie und Schwermut der November- und Wintertage, enthüllt "das Geheimnis der Seele dieser Landschaft".

Er hat sie geliebt - die geschwungenen Bergkuppen und schroffen Klippen von Süntel und Hohenstein. Wieder und wieder hat er sie gemalt, hat einen ganzen Zyklus von Federzeichnungen zum Thema "Hohenstein" erstellt - akribische Arbeiten in akademischer Malweise, voller Details und Beobachtungen: gestrichelte, fein strukturierte "Teppiche", die Wald und Wiese, Fels und Wasser, Himmel und Erde, Licht und Schatten spiegeln. Die Zeichnungen waren Schmidts Stärke, dagegen verblassen seine Aquarelle. Wer aber war dieser Karl Alexander Schmidt, der den Süntel so geliebt hat, dass er ihn immer wieder malte? Der daneben Land und Leute im Weserbergland festgehalten hat? Der dieser einzigartigen Fluss- und Berglandschaft mit Pinsel und Palette, vor allem aber mit Zeichenstift und Feder nachspürte?



Er muss 1890 im Saarland das Licht der Welt erblickthaben, bevor es ihn später an die Weser verschlug. Viele Jahre war er als Lehrer in Bensen tätig, lebte zuletzt in Hameln in der Redenallee 9. Das geht aus einem Zeitungsartikel vom 21. März 1973 und einer Korrespondenz mit der Klischeeanstalt CW Niemeyer vom April 1973 hervor, die sich ebenfalls in den Mappen befanden. Demnach arrangierte die Realschule und die Ortsgruppe des Heimatbundes in Hessisch Oldendorf vom 18. bis 29. März 1973 eine Ausstellung mit 40 Aquarellen und Zeichnungen des damals 83-jährigen Malers. Die Werke umfassten einen Zeitraum von etwa 50 Jahren und vermittelten damals schon einen Eindruck davon, wie sich die Landschaft in dieser Zeitspanne verändert hat. Schirmherr der Ausstellung war Interimsbürgermeister Dieter Kaul.

Viel mehr Spuren finden sich nicht zu Schmidts Lebensgeschichte. Immerhin lässt sich anhand der etwa 150 Originale in den Kunstmappen feststellen, dass der Maler nicht nur Landschaften festgehalten hat, sondern auch Menschen porträtierte, darunter "Die Kinder von Prof. Dr. Kerstein". Wie die Mappen in die Räumlichkeiten von Stahlbau Richard gelangten, wer sie dort gelagert und wahrscheinlich vergessen hat, wird wohl ein Rätsel bleiben. Ebenso wie die Persönlichkeit des Süntelmalers selbst. Sein Werk aber spiegelt vor dem Hintergrund einer sich immer schneller veränderten Welt ein Stück Heimatgeschichte. [..]
Dewezet, 09.08.2006