Segelflieger-Denkmal
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Dewezet 30.Mai 1990

Nach zweitägiger Suche: Vermißtes Segelflugzeug gefunden
19 Jahre alter Pilot lag tot im Wald bei Bad Münder

BAD MÜNDER. Mit 13 Jahren war er dem Segelsportverein Schneverdingen beigetreten. Schon immer hatte ihn das Fliegen fasziniert. Bundeswehrsoldat Dirk Köcher (19) galt als erfahrener Pilot, hatte 350 Flugstunden. Irgendwann am Sonntagnachmittag stürzte der junge Mann aus Tostedt bei Hamburg mit seinem Segelflugzeug vom Typ Jeans Astler bei Bakede in einen Buchenwald. Erst gestern wurde der Hobbyflieger von Forstoberinspektor Horst Ebeling gefunden. Der 19jährige lag tot neben der zerbrochenen Plexiglaskanzel des Flugzeugs.

Die Besatzungen von 16 Rettungs- und Suchhubschraubern der Luftwaffe, des Heers, des Grenzschutzes und der Polizei waren nach dem Verschwinden des einsitzigen Gleiters (Wert: 30.000 DM) aufgestiegen, hatten nach der 'D4568' in den Wald-, Heide- und Moorgebieten Niedersachsens Ausschau gehalten - ohne Erfolg.

Gegen 6 Uhr ging gestern der entscheidende Hinweis eines Mannes auf dem Polizeirevier Bad Münder ein: Ein Anrufer berichtete von einem Spaziergänger, der Sonntag gegen 14.30 Uhr einen Gleiter tief über den Bäumen im Süntel oberhalb des Dorfes Kessiehausen beobachtet und kurze Zeit später ein Krachen gehört hatte.


Beamte fuhren nach dieser Meldung sofort zu dem angegebenen Waldgebiet, trafen auf einem Wirtschaftsweg Oberförster Horst Ebeling. Der 33jährige aus Beber kennt das unwegsame Süntelgebiet und fuhr mit seinem Geländewagen zu einer Lichtung im Bereich 'Bei den Elendsköpfen', 350 Meter hoch im Flurstück 'Wittkopf Bodetal' gelegen. "Von dort aus hat man einen guten Ausblick über das Tal", sagte der Forstmann gestern Mittag. "Daß ich die abgestürzte Maschine finden würde, war reiner Zufall." Doch das schnelle Auffinden des Wracks am Dienstag um 8.30 rettete das Leben des Tostedters nicht mehr. Der Notarzt aus Bad Münder konnte nur noch den Tod des Verunglückten feststellen.


Dirk Köcher war aus unbekannten Gründen gegen eine Buche geprallt, sein aus Holz und Plastik gebautes Fluggerät rasierte einen Baumwipfel ab, stürzte 20 Meter auf den Waldboden und blieb zwischen den Bäumen kopfüber liegen. Das Höhenruder brach bei dem Aufprall ab, das Heck knickte ein, die Glaskanzel zersplitterte. Als ihn Horst Ebeling fand, lag der Körper des toten Fliegers wenige Zentimeter neben der Pilotenkanzel. Hat sich der Schwerverletzte nach dem Absturz noch aus den Sicherheitsgurten befreien können, oder war er herausgeschleudert worden? War fehlende Aufwärtsthermik die Absturzursache? Wann genau starb der 19jährige? Diese Fragen sollen Experten des Bundesluftfahrtamtes Braunschweig und Rechtsmediziner der Medizinischen Hochschule Hannover klären, die noch am Unglücksort ihre Ermittlungen aufnahmen.


Nach Angaben der Kriminalpolizei Hameln war der Segelflieger am Sonntag um 10.40 Uhr vom Flugplatz Schneverdingen zu einem Dreiecksflug über Salzgitter, Bohmte, Nienburg gestartet. Um 12 Uhr meldete sich Dirk Köcher dann ein letztes Mal über Flugfunk bei seinen Kameraden. Da schwebte er gerade in der Nähe der Ortschaft Bergen bei Celle. Seit diesem Zeitpunkt verlor sich seine Spur. Um 15 Uhr versuchten Clubfreunde Köcher in seiner 'D 4568' anzufunken. Doch der Mann aus Tostedt meldete sich nicht mehr.

Wenig später starteten die ersten Hubschrauber, wurden Presse, Funk und Fernsehen eingeschaltet. Auch auf dem Gebiet der DDR hatte der Bundesgrenzschutz gesucht, die dortigen Behörden um Mithilfe gebeten. Eberhard Weltin von der SAR-Leitstelle Goch: "Unsere Männer sind im Tiefflug über die Wälder geflogen. Aus der Luft war nichts auszumachen. Durch die Orkanschäden waren viele Äste abgeknickt. Man hätte überall nachschauen können." Dennoch hatte die Bundeswehr das Weserbergland von Anfang an als mögliches Absturzgebiet im Auge gehabt. Der Luftretter: "Dort könnte der Pilot wetterbedingte Schwierigkeiten bekommen haben. Am Sonntagabend hatte der Flieger mit großer Wahrscheinlichkeit mit Gegenwind zu kämpfen."
Ulrich Behmann





Vielen Dank für das Bild oben an August Friedrich Broszio.