Steinbruch Pötzen
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Die Entstehung der Steinbrüche im Süntel
(von Friedrich Renzel / Pötzen 2007)

Über das Entstehen der Kalksteingebirge habe ich vor etwa 50 Jahren den Vortrag eines Geologen gehört. Demnach stand hier im Weserbergland vor Millionen Jahren alles Land unter Wasser, und das Klima war wesentlich wärmer als heute.

Es bildeten sich große Korallenbänke wie heute in der Südsee und wurden nach und nach riesengroß. Allmählich ging das Wasser etwas zurück. Etwa 50 m hoch ragte der heutige Süntelkopf, auch "Hohe Egge" genannt, aus dem Wasser heraus. Es bildete sich eine niedere Vegetation. Sand wurde angespült wie heute noch an unseren Küsten. Die Vegetation wurde mit Sand bedeckt und entwickelte sich nach und nach zu einer kleinen Kohleschicht. Der Sand verdichtete sich allmählich zu Sandstein. Den Kalkstein nannte der Geologe auch Korallen-Olit (lateinischer Name für Stein). Als das Wasser ganz abfloss, blieben die Korallenbänke übrig, obenauf der Sandstein, bis sich dann wieder Vegetation bildete.

Wie schon berichtet, gab es etwa 1880 (Zeit der Verkoppelung) keine Wege am Süntel. So wurde das Brennholz mit kleinen tragbaren Schlitten zu Tal gebracht oder in schneeloser Zeit mit Pferden ins Tal geschleppt oder "geschleift". Die drei Schleppwege oberhalb Pötzen, die durch Regen- und Tauwasser zu kleinen Hohlwegen ausgespült wurden, gibt es noch heute.

Der östlichste, genannt Salterschleife, kreuzt den später angelegten ersten Süntelweg, auch Pötzer Grüner Weg genannt, ein Stück über der alten Jagdhütte. Die dortige Tiefe-Grund-Schlucht, die vor 50 Jahren von Steinbrucharbeitern zugeschüttet wurde, nannte man früher "dä duistere Grund" = die dunkle Grund.

Der mittlere Schleifweg war die Hasselschleife. Sie endete in der Verlängerung des Feldweges and der Schule, heute "Am Packborn" genannt, und führte gerade hinauf neben den angepflanzten jungen Fichten.

Der westliche Schleifweg endete zwischen dem Pötzer Hasseln und Haddesser Hasseln, damals "Purngrund" genannt. Heute heißt der befestigte Feldweg, der von der Haddesser Straße nach oben führt, "Zum Borberg".

An einigen Stellen ragte der blanke Felsen aus dem Wald boden, so am sogenannten "Knüll". An der Ostseite dieses etwas hervortretenden Kopfes wurde der erste Süntelweg an der "duisteren Grund" entlang angelegt. Dazu nutzte man das sich dort anbietende Felsgestein. Als später auch Feldwege befestigt werden sollten, wurden von dort oben die nötigen Steine abgefahren. So entstand der erste kleine Steinbruch. So ging es auch später, als der mittlere und schönere Süntelweg, der "Hohe-Nacken-Weg", mit geringerer Steigung angelegt wurde. Auch hier war im mittleren Waldgebiet der blanke Fels sichtbar. Nun wurde hier ein neuer Steinbruch angelegt.

Vor dem zweiten Weltkrieg haben die Straßenmeistereien, hier in Hessisch Oldendorf ansässig, das Straßenbau-Material selbst besorgt. Die Straßenbau-Firmen (hier bei uns Firma August Mork aus Fischbeck) nahmen dann den Einbau vor.

Das änderte sich nach Kriegsende. Jetzt mussten die Firmen sich selber um das benötigte Material kümmern. Da der kleine Steinbruch "Am Knüll" von der Straße aus gut zu sehen war, wurde von Herrn Mork ein Antrag an die Süntelwald-Genossenschaft gestellt und von dieser genehmigt, die dortigen Steine für den Straßenbau zu nutzen. Unterhalb des Bruches wurde ein kleiner Stichweg angelegt zur einfachen Verladung des Materials. Dies alles geschah noch im Handbetrieb und mit zwei oder drei Loren, die auf Gleisen fuhren.

Anfang der 1950er Jahre wurde die Firma ISV Dr. Schmid & Co. auf den kleinen Steinbruch aufmerksam. Diese Straßenbaufirma in Groß Ilsede bei Peine hatte längere Zeit die Schlacken-Steine, die bei der Eisenverhüttung als Abfall anfielen, als Baumaterial verwandt. In 6 Jahren Krieg und in der Nachkriegszeit waren viele Straßen und Autobahnen vernachlässigt worden. Durch den nach der Währungsreform einsetzenden Aufschwung wurde viel Material gebraucht, und die anfallende Schlacke reichte der Ilseder Schlackenverwertung nicht mehr aus.

So verhandelte man zuerst mit der Firma Mork und dann mit der Süntelwald-Genossenschaft über die Abbaurechte im Süntel - vorerst nur am Knüll-Kopf. Bald schon wurde dann der Feldweg im Langen Feld vom oberen Ortseingang von Pötzen bis in den Süntel ausgebaut. 150 m oberhalb des Waldrandes wurde eine große ebene Fläche hergestellt. Dort wurden vier hohe Betonbunker errichtet und ein Bürogebäude.


Später kam eine Bitumen-Asphalt-Mischanlage hinzu. Vom oberhalb des Werksgeländes gelegenen Steinbruch wurde das Material von einer Brecher-Anlage über ein Förderband und eine Siebanlage in verschiedenen Körnungen zu den verschiedenen Bunkern beleitet und vorübergehend eingelagert. Das unterschiedliche Material wurde auf LKW verladen und über eine große Waage abtransportiert. Also: alles in allem entstand aus kleinen Anfängen doch eine große Anlage.

Eines Tages trat man an die Süntelwald-Genossenschaft heran, weil man den Steinbruch nach Westen zu erweitern wollte bis zum Hohen Nacken. Este Bedenken wurden geäußert. Andere Stimmen wurden laut: "Nun ist schon so viel investiert wurden - wohl für 100 Jahre. Und die Felsen des ersten kleinen Steinbruchs am Hohen Nacken leuchten uns entgegen." Diese Stimmen setzten sich durch. Es ging an den Hohen Nacken. Die Firma Mork, die mit einigen Prozent an dem Gesamtvorhaben beteiligt war, konnte die hohen Investitionen nicht mittragen und musste Konkurs anmelden.

Der erste Bruch am Knüll wurde nun Ostbruch genannt und der neue viel größere am Hohen Nacken hieß Westbruch.

Der Gesteinsabbau ging rapide vorwärts. Und nach ein paar Jahren verschwand auch unser geliebter und bequemer Süntelweg, der von Pötzen auf die Hohe Egge und zum gern besuchten Ausflugsziel "Süntelturm" führte.

Die Firma legte einen Ersatzweg von der Kreuzung oberhalb des Bruches, der sogenannten Pforte, nach Haddessen, an. Er steht aber in keinem Vergleich zu unserm schönen Hohe-Nacken-Weg, dem wir noch nachtrauern. Nun sind wir doch wieder auf den alten steilen Weg am Knüll angewiesen.

Im Laufe der Jahre hatte die Firma ISV sich oberhalb von Segelhorst einen weiteren kleinen Bruch ausgebaut. Nach einiger Zeit hier es, dieser letztere Bruch se rentabler und läge für den Transport auch günstiger in Nähe der Autobahn.

Bald wurde in Pötzen von Stillegung gesprochen. Alle Leute im Ort waren schockiert - insbesondere die vielen Steinbrucharbeiter, die ja meist aus den hiesigen Dörfern kamen. In den ersten Jahren hatten sie alles Gestein mit Hämmern zerschlagen und von Hand in die großen Loren geladen. Längst mussten sie keine schwere körperliche Arbeit mehr verrichten, weil ihnen große Bagger und Muldenkipper zu Verfügung standen, die jeweils 8 - 10 Tonnen Gestein auf einmal zur Brechanlage transportierten. Nach manchem Für und Wider hier es eines Tages wirklich: "Pötzen wird zugemacht!"

Die Arbeiter zogen schwarze Fahnen auf. Aber es half nichts. Alles wurde abgerissen und eingeebnet, auch die große Starkstromleitung, die vom Oberdorf im Langen Feld hoch bis zu einem Trafo am Waldrand führte.

Nach und nach fanden die Mitarbeiter des Steinbruchs eine Arbeit in anderen Bereichen dank des anhaltenden Aufschwungs. Die Firma Ilseder Schlackenverwertung hat sicher guten Profit gemacht. Die heimische Firma Mork blieb leider auf der Strecke. Die Süntelwaldgenossenschaft hat etwa 20 Jahre lang 10.000 - 20.000 DM pro Jahr eingenommen (0,20 DM je Tonne Material). Wenn wir es aber recht bedenken und das große hässliche Loch in der Felswand, das nicht renaturiert wurde, nun für immer vor Augen haben, so hat es sich für den Süntel letztlich nicht gelohnt.