Süntelturm II
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Die alte Veranda am Süntelturm!


Alte Hinweistafeln am Süntelturm!

Die Bilder wurden bei Antik-Falkensee erworben!

Festrede endete mit einem Hoch auf den Kaiser

Der zu Himmelfahrt 1901 eingeweihte Süntelturm war nicht der erste Aussichtsturm im Süntel
von Horst Knoke

Nördlich der Stadt, etwa acht Kilometer Luftlinie entfernt, grüßt der Süntelturm von der Hohen Egge, der höchsten Erhebung im Süntel (437 m über NN) nach Hameln hinüber. Man kann ihn besteigen und, 25 Meter über dem Boden stehend, weit in das Weserbergland schauen. Der Süntelturm war nicht der erste Aussichtsturm im Süntel. Im Jahre 1881 erhielt das „Verschönerungs-Komitee“ des Bürgervereins Hannover von der Süntelwaldgenossenschaft die Erlaubnis, auf der Hohen Egge einen hölzernen Aussichtsturm zu bauen. In den Hamelnschen Anzeigen wurde im Dezember 1881 und im März 1882 von Hamelner Bürgern, darunter auch der naturliebende Gymnasiallehrer Görges, zu Geldspenden für den Bau des Turmes aufgerufen. Es gingen Beiträge von Personen aus Hannover, Hameln, Bad Münder und Hessisch Oldendorf ein. Als die veranschlagten Kosten von 600 Goldmark beisammen waren, begann der Bau des Turmes unter der Leitung des Architekten Kattentidt aus Hameln, nur etwa 25 Meter vom heutigen Süntelturm entfernt, auf schaumburgisch/hessischem Gebiet. 1882 wurde der Turm eröffnet und Augusta-Turm getauft. Bald darauf begann August Sagebiel aus Welliehausen von sich aus damit, sonntags mit einem Korb voller belegter Brote zum Turm hinaufzusteigen, um sie Wanderern zu verkaufen. 1884 übergab der Bürgerverein Hannover den Aussichtsturm an den Alten Hannoverschen Gebirgsverein, der Sagebiel aufforderte, vor dem Turm weiter an dem runden Steintisch seine Brote anzubieten und Erfrischungen auszuschenken. Das Wasser dafür holte Sagebiel aus dem Steinhauerbrunnen beim Pötzer Steinbruch.

Der hölzerne Aussichtsturm, der 19 Meter hoch war, wurde mit den Jahren baufällig. Zu Ende des Jahrhunderts mussten vier Mann, wenn einer den Turm besteigen wollte, die Beine des Turms festhalten, damit er nicht umfiel. Am 5. Februar 1901 fand Sa-gebiel den Turm nach starken Schneefällen zusammengebrochen vor. Der Alte Hannoversche Gebirgsverein beabsichtigte nun, an gleicher Stelle einen neuen massiven Aussichtsturm zu errichten. Da man sich aber mit dem Eigentümer des Grund und Bodens, der Süntelwaldgenossenschaft, nicht über den Kaufpreis einigen konnte, beschloss der Wanderverein, den neuen Turm 25 Meter entfernt vom alten, aber auf münderschem Gebiet zu bauen. Der Bauplatz wurde auf 99 Jahre von der Forstgenossenschaft gepachtet. Die Grundsteinlegung für den Süntelturm fand am 24. September 1899 in Anwesenheit des Heidedichters Hermann Löns statt.

Der runde Turm ist gegründet auf dem anstehenden Fels, sein Mauerwerk wurde aus Sandsteinen, in nahe gelegenen Pötzer Steinbrüchen gewonnen, aufgeführt; die Mauern sind am Fuß 1,45 Meter dick und verjüngen sich oben auf 0,85 Meter. Auf den 25 Meter hohen Turm mit einem Innendurchmesser von 2,40 Meter führen eine massive Wendeltreppe mit 95 Stufen und eine anschließende stählerne Treppe mit 12 Stufen hinauf. Links am Turm wurde eine hölzerne Schutzhütte erbaut. Der Architekt Grelle aus Hannover plante den Turm, die Baufirma Schlossmann aus Bad Münder führte die Arbeiten aus. Die Kosten beliefen sich auf 7000 Mark. Zur Einweihungsfeier am 17. Mai 1901, Himmelfahrt, waren über 1500 Wanderer und Besucher gekommen. Der Vorsitzende des Alten Hannoverschen Gebirgsvereins, der Generalagent Bertram, schloss seine Festrede mit einem Hoch auf den Kaiser.

1910 wurde rechts des Turms ein massiver Anbau aus Sandstein erstellt, der einer kleinen Kaffeeküche und kleinen Theke sowie einem Gastraum Platz bot. Drei Jahre später wurde die hölzerne Hütte durch einen etwas größeren gemauerten Anbau ersetzt. 1912 erhielt der Turm Telefonanschluss. August Sagebiel war auch im neuen Turm der Wirt bis 1908. Ihm folgte sein Sohn August, der aber 1915 in Russland fiel. Darauf übernahm seine Schwester Minna die Turmwirt-Pflichten, ab 1920 zusammen mit ihrem Ehemann Friedrich Brinkmann. Mit Handwagen, kleinem Pferdewagen oder im Winter mit Schlitten brachten sie Waren, Trinkwasser und Getränke den Berg hinauf.

Ende der 50er Jahre übernahmen Ludwig Hupe, der Schwiegersohn von Friedrich Brinkmann, und seine Frau Lisa die Bewirtschaftung. 1951, zum 50-jährigen Bestehen des Turmes, das gefeiert wurde, waren alle Schäden, die durch Alter und Kriegseinwirkungen entstanden waren, beseitigt. 1977 musste der Turm eingerüstet werden, um Fugen und Risse im Mauerwerk abzudichten, die Kosten betrugen 25000 DM. 1985/86 stand der Fortbestand der Bewirtschaftung des Süntelturmes auf des Messers Schneide wegen fehlender Anschlüsse an das Wasser, Abwasser- und Stromnetz. Bis dahin wurde das Abwasser in einer Grube gesammelt, die regelmäßig geleert wurde.

Der Eigentümer, der Hannoversche Wander- und Gebirgsverein von 1883, war wirtschaftlich nicht mehr in der Lage, die Unterhaltung von Turm und Gaststätte weiter zu tragen, und legte die Trägerschaft nieder. Im hiesigen Raum waren der Landkreis Hameln-Pyrmont und die Städte Hameln, Bad Münder und Hessisch Oldendorf sich einig, dass Turm und Gaststätte erhalten werden müssten, da sie insbesondere für den Fremdenverkehr von großer Bedeutung sind. Man bildete eine Finanzierungsgemeinschaft für den Bau einer Wasserleitung ins Steinbachtal, einer Abwasserleitung bis zur 1000 Meter entfernten Gaststätte Eulenflucht, den Anschluss ans Stromnetz und den Bau sanitärer Einrichtungen in der Gaststätte. Durch vielerlei Geld- und Sachleistungen und die Übernahme der Erdarbeiten für die Leitungsverlegungen durch die britischen Pioniere gelang es, die veranschlagten Sanierungskosten von 900000 DM zu tragen, so dass im Dezember 1988 die Einweihung der sanierten Gaststätte gefeiert werden konnte, die jetzt allen Anforderungen der Gaststättenverordnung genügt. Im gleichen Jahr gingen Turm und Gaststätte in das Eigentum der Stadt Bad Münder über.

Dank der gemeinsam übernommenen Verantwortung und guten Zusammenarbeit der Beteiligten können die Wanderer wie nun schon seit über 100 Jahren, weiterhin vom Süntelturm die herrliche weite Aussicht genießen und in der Gaststätte bei einem frischen Trunk oder einem leckeren Mahl rasten.

Doch der Süntelturm hatte zeitweise, zum Glück nur sechs Jahre lang, als Wahrzeichen auf dem Süntel eine gewisse Konkurrenz. Etwa 1200 Meter östlich des Süntelturms wurde auf Betreiben der Stadt Hameln 1938 ein Ehrenmal in direkter Sichtachse zum Bückeberg für den von Goebbels Nazi-Propaganda zum „Märtyrer der Bewegung“ hochstilisierten Horst Wessel erbaut. Seine Eltern und Großeltern kamen aus dem Raum Hameln und deshalb hatten sich die hiesigen Nazi-Größen dafür eingesetzt, dass das Ehrenmal oberhalb der Sandsteinbrüche im Süntel gebaut wurde. Auf einem Naturstein-Sockel stand eine 12 Meter hohe quadratische Steinsäule von 1,6 m Seitenlänge, ebenfalls aus Naturstein, deren Spitze ein fünf Meter hohes eisernes Hakenkreuz krönte. Der Sockel mit der Säule stand in einem Vorhof, an dessen Mauer in Schmiedeeisen die Inschrift „Horst Wessel“ angebracht war. Dieses Ehrenmal war als ein vorläufiges gedacht, später sollte das endgültige erstellt werden, hatte Generalinspekteur Albert Speer entschieden. Am 26. Mai 1939, drei Monate vor Kriegsbeginn, fand die von der niedersächsischen SA gestaltete Einweihungsfeier statt. Sechs Jahre später, 1945, wurde das Ehrenmal auf Befehl der Besatzungstruppen gesprengt.
© Dewezet 08. August 2008


Die Erbauer des Süntelturms!
Ein sicher nicht alltäglicher Auftrag war für den Polier Fritz Matthies (Bildmitte, mit Zeichnung) der Bau des Süntelturms. Bei dem Arbeiter vorne rechts handelt es sich vermutlich um Christian Kälberloh (Vielen Dank für die Information an Karl-Heinz Frädrich). Hat jemand weitergehende Informationen?