Vergessene Gleise am Süntel:
Die Geschichte der Steinbruchbahn nach Hasperde

Wer heute am Rande des Süntels zwischen Welliehausen und Unsen wandert, genießt die Ruhe des Waldes. Doch vor gut 100 Jahren war es hier alles andere als still. Das Fauchen kleiner Dampflokomotiven und das Rasseln schwer beladener Loren prägten den Alltag. Eine der bedeutendsten Industriebahnen der Region verband einst die massiven Steinbrüche des Süntels mit dem Bahnhof Hasperde. Ein logistisches Meisterwerk der Industriegeschichte

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts (um 1895) standen die Steinbruchbesitzer der Region vor einer Herausforderung: Der Transport der schweren Kalk- und Sandsteine per Pferdefuhrwerk war mühsam, langsam und teuer. Besonders die Firma Wellhausen trieb daher den Bau einer modernen Transportlösung voran. Es entstand eine Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 600 mm – eine klassische Feldbahn, die jedoch für damalige Verhältnisse enorme Mengen Gestein bewegte.

Der Streckenverlauf: Vom Berg ins Tal

Die Trasse war ein Paradebeispiel für Ingenieurskunst im schwierigen Gelände:

Oben am Berg: Die Gleise begannen direkt an den Abbauwänden oberhalb von Welliehausen und Unsen.

Der Bremsberg: Um den steilen Höhenunterschied zur Talebene zu überwinden, wurde ein Bremsberg genutzt. Hier zogen die schweren, talwärts rollenden Loren die leeren Wagen mittels eines Drahtseilsystems wieder bergauf.

Durch die Feldmark: Nach dem Abstieg führte die Strecke fast geradlinig über die Felder, westlich am Dorf Welliehausen vorbei, in Richtung Norden.

Anschluss an die Welt: Das Ziel war der Bahnhof Hasperde. Dort mündete die Schmalspurbahn in eine spezielle Umladestation direkt an der Hauptstrecke Hannover–Hameln.

Motor des wirtschaftlichen Aufschwungs

Die Steine aus dem Süntel waren begehrt. In Hasperde wurden sie auf die Waggons der Staatsbahn umgeladen und erreichten Baustellen in ganz Norddeutschland, darunter prestigeträchtige Gebäude in Hannover und Berlin. Zunächst wurden die Loren durch Schwerkraft und Pferde bewegt, doch bald übernahmen kleine Dampflokomotiven (später Dieselloks) den Dienst. Die Bahn machte die Steinbrüche zu einem der wichtigsten Arbeitgeber der Umgebung.

Das Ende einer Ära

Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich die Transportwelt. Der Lastwagen wurde flexibler und konnte die Steine direkt vom Bruch zum Kunden bringen, ohne das aufwendige Umladen in Hasperde. In den 1950er und 1960er Jahren wurde der Betrieb der Steinbruchbahn schließlich eingestellt und die Gleise fast vollständig demontiert.

Spurensuche heute

Auch wenn die Schienen längst verschwunden sind, hat die Bahn ihre Narben in der Landschaft hinterlassen:

Im Wald: Die geraden Schneisen der Bremsberge und die planierten Trassenwege sind für aufmerksame Wanderer noch heute erkennbar.

In der Flur: Manche Feldgrenzen und Baumreihen zwischen Welliehausen und Hasperde folgen noch immer dem exakten Verlauf der alten Gleise.

Am Bahnhof Hasperde: Die weitläufigen Flächen südlich der heutigen Bahnsteige erinnern an die Zeit, als hier täglich hunderte Tonnen Süntelgestein den Besitzer wechselten.

Text: Ralf Schulte und ChatGPT

Fortsetzung folgt!!

Weitere Förder- und Werkbahnen im Kreis Hameln

Unter den Akten des Kreisarchivs in Hameln befinden sich auch die Statistiken aus den Übersichten über den Bestand an schmalspurigen Industrie- und Feldbahnen, die im Zeitraum zwischen 1887 und 1935 aufgestellt wurden. Hierin findet man neben den vorgehend beschriebenen Bahnen von Osterwald, Salzhemmendorf und Wallensen noch eine Anzahl weiterer Bahnen im Landkreis.


Quelle: https://bahn-express.de/archiv/oi-hameln.htm


Dies ist kein historisches Bild.
Es wurde von einer KI erstellt.

Hat jemand Infos zu diesem Thema?


Oder war es doch anders?

Zitate aus "Industriegeschichte des Deister-Süntel-Raumes" (Ulrich Manthey / Klaus Vohn-Fortagne):

Das Werk oberhalb von Unsen/Welliehausen entwickelte sich zum umfangreichen Steinbetrieb des Holtensers Wellhausen. Von Unsen verlief eine Pferdebahn zum Bahnhof Hasperde. Sechs bis sieben Arbeiter waren ständig mit Lade- und Entladetätigkeiten beschäftigt. 1907 bemängelte man einen fehlenden Aufenthaltsraum, verschmutzte Gleise und den gefahrenträchtigen Fuhrbetrieb, da neben den Wagenführern noch andere Personen auf den Fuhrwerken mitfuhren.[..] Daß der Betrieb der Pferdebahn nicht ganz ungefährlich war, bestätigt auch eine Meldung über einen Unfall auf dem "Schmalspurbahn-Geleise in der Presse im gleichen Jahr (NDZ Nr. 44 1907).

1938 erfolgte noch in den Brüchen an der Jahnhütte (Wellhausen) und in der Nähe des Süntelturms (Morck) der Abbau. 1947 bis 1960 soll er vorübergehend aufgelebt sein, wie KNOKE berichtet. Der Sandstein aus dem Süntel erreichte keinen besonderen Bekanntheitsgrad, der unter der Bezeichnung "Deistersandstein" in den Handel kam. Die erwähnte Autorin nennt als Gründe für den Niedergang der Sandsteinindustrie am Süntel neben der Konkurrenz von Kunststeinen und Beton die schlechten Verkehrsverhältnisse, "denn ehe man die Steine auf den Bahnstationen in Hasperde, Hamelspringe und Münder oder auf die Weserschiffe bei Fischbeck verladen konnte, mußten sie auf langen Bremsbahnen aus dem Gebirge geholt, dann auf Pferdebahnen umgeladen und zum Schienenweg oder zum Wasser transportiert werden… Wahrscheinlich versäumte man, sich früh genug auf moderne Verkehrswege und Transportmittel umzustellen, so dass der durch Handabbau an sich schon teure Süntelsandstein nicht mehr wettbewerbsfähig war."