Die Süntelbahn
Teil II


Das letzte Signal



Lauenau, 16. Okt. (1904) Am Freitag stand Lauenau im Zeichen des Verkehrs, da an diesem Tage die Einweihung unseres neuen Bahnhofs stattfand. Punkt 12,58 Minuten lief der von der Königlichen Eisenbahndirektion gestellte Extrazug in den hiesigen Bahnhof ein, bejubelt von einer sehr großen Menge freudig gestimmter Menschen. Natürlich hatte es sich der hiesige Magistrat nicht nehmen lassen, die Herren von der Direktion, den Magistrat zu Rodenberg, viele Vorsteher und Bewohner der Umgegend durch die verstärkte Capelle des Herrn Riekenberg mit "Deutschland, Deutschland über Alles" zu begrüßen. Hiernach nahm Herr Bauinspektor Schwemann das Wort, um die Strecke Haste – Lauenau zu übergeben. Herr Bürgermeister Hesse dankte in bewegten Worten für das Interesse, welches die Königliche Eisenbahn-Direktion durch die frühzeitige Eröffnung der Bahn, Lauenau und Ungebung entgegen gebracht hätte. Dreißig Jahr wäre vermessen und projektiert, endlich ist es zur Wahrheit geworden.

Ein großartiges Frühstück der renommierten Küche nebst Getränken des Herrn Gundelach hier, welcher die Bahnhofswirtschaft in Pacht hat, trug dazu bei, daß bald eine sehr animierte Stimmung Platz griff. Als dann um 5 Uhr nachmittags der allen Lauenauern so sehr ans Herz gewachsene Postwagen, welcher durch die Töchter des Herrn Gastwirts Reinecke großartig mit Guirlanden und Fähnchen geschmückt, vierspännig unseren Flecken verließ und das letzte Signal geblasen wurde, da füllte sich so manches Auge mit Tränen. Möge die neue Bahn uns nur Glück und Segen bringen.

Reste der Schrankenanlage in der Süntelstraße in Bad Münder


Bahnhof Egestorf


Bahnhof Rohrsen / Raiffeisengenossenschaft












Die Anlagen der anderen Bahnhöfe werden privat genutzt.
Deshalb gibt es davon keine Bilder.

Fotos: Thomas Grahl (2019)


Am unteren Bildrand sieht man den Verlauf der Süntelstraße und die Zufahrten zu Fa. Kreibaum (heute ALDI und Vital). Die Bahnstrecke Haste - Bad Münder führt im Bogen durch unbebautes Gelände zum Deisterbahnhof. Die beiden Feldwege die sich in der Mitte des Bildes kreuzen sind die heutigen Straßen Erlenweg und Melkerweg (Aufnahme ca. 1960).


Auf der aktuellen Aufnahme (2018) ist der heutige Stand der Bebauung zu sehen. Das ehemalige Kreibaumgelände und der Verlauf der Bahnlinie ist noch gut zu erkennen. Der Weidenweg ist am rechten Bildrand noch zu erkennen. Foto: Bernd Christian Stigrot

Vielen Dank an Bernd Christian Stigrot, Uwe Cipra und Thomas Grahl!